18. Festival 2008 / Programm


Werkschau Josef Nadj


Josef Nadj – Ein Portrait


Josef Nadj in Paris


Seit über zwei Jahrzehnten zaubert Josef Nadj absurde Welten auf die Bühnen Europas. Seiner Heimat Ex-Jugoslawien spürbar verbunden und seit langem im Tanzland Frankreich lebend, schafft er als Wanderer zwischen den Kulturen szenische Wunderwerke, die in aller Stille und Melancholie von starker Intensität und voller Visionen über unser Menschsein geprägt sind. Nach dem bisher einzigen Gastspiel bei der euro-scene Leipzig 1992, die er mit seinem Stück »Comedia tempio« (»Tempelkomödie«, 1990) eröffnete, stellen wir den Künstler nun mit den drei Produktionen »Woyzeck« (1994/96), »Journal d’un inconnu« (»Tagebuch eines Unbekannten«, 2002) und »Entracte« (»Pause«, 2008) aus verschiedenen Schaffensperioden, zwei Filmen und einer Ausstellung seiner neuesten Zeichnungen vor.

Ann-Elisabeth Wolff



Biografie


1957 geboren in Kanjiza, einem Dorf in der ungarischsprachigen Region Vojvodina im ehemaligen Jugoslawien, heute Serbien
1972-75 Besuch des Kunstgymnasiums in Novi Sad, Hauptstadt der Vojvodina
15 Monate Wehrdienst in Bosnien-Herzegowina
Studium Kunst- und Musikgeschichte an der Universität sowie Schauspielkunst und theatralische Körpersprache an der Kunstakademie Budapest
Ab 1980 Unterricht in Paris bei Marcel Marceau, Étienne Decroux und Jacques Lecoq, außerdem in Tai-Chi, Butô und Kontakttanz bei Mark Tompkins
Ab 1983 Dozent für Bewegungslehre in Frankreich und Ungarn
Darsteller bei Sidonie Rochon 1984, Mark Tompkins 1985, Catherine Diverrès 1988, François Verret 1986

1986 Gründung der eigenen Compagnie Théâtre JEL in Paris
Stückauswahl:
»Canard pékinois« (»Pekingente«, 1987, sein erstes Stück)
»La mort de l’empereur« (»Der Tod des Kaisers«, 1989)
»Les échelles d’Orphée« (»Die Leitern des Orpheus«, 1992)
»L’anatomie du fauve« (»Die Anatomie des Raubtiers«, 1995)

Seit 1995 bis heute Leitung des Centre chorégraphique national d’Orléans
Stückauswahl:
»Les commentaires d’Habacuc« (»Die Kommentare des Habacuc«, 1996)
»Petit psaume du matin« (»Kleiner Morgenpsalm«, 1999/2001)
»Les veilleurs« (»Die Wächter«, 1999)
»Les philosophes« (»Die Philosophen«, 2001)
»Poussière de soleils« (»Sonnenstaub«, 2004)
»Last landscape« (2005) – »Dernier paysage« (2006) (»Letzte Landschaft«)

2006 »Artiste associé« (mitverantwortlicher Künstler für das Programm) beim 60. Festival d’Avignon, hier Uraufführung seiner Stücke »Asobu« (im Ehrenhof des Papstpalasts) und »Paso doble« mit dem spanischen Bildhauer Miquel Barceló (in der Église des Céléstins)

Zeichner und Maler, Ausstellungen u. a. seiner Skulpturen »Installations« 1996, des Tuschezyklus’ »Miniatures« 2000 und seiner Fotografien ab 2003


 

Josef Nadj in »Journal d’un inconnu«



Josef Nadj bei der euro-scene Leipzig 2008


Hauptprogramm


Di. 04. Nov. // 19.30 – 20.45 Uhr (Festivaleröffnung)
Mi. 05. Nov. // 19.30 – 20.45 Uhr
Peterskirche
Centre chorégraphique national d’Orléans / Josef Nadj
»Entracte« (»Pause«)
   (Videoausschnitt  )
Tanzstück
Deutschlandpremiere

Vier Tänzer, vier Musiker und ein Bühnenbild aus Eisschollen, Glas und Treppen. Josef Nadj, einer der wichtigsten Choreografen Europas, schuf sein faszinierendes Tanzstück um das Thema ständiger Veränderung und des Taumels.

Im Anschluss am 05. Nov.: Publikumsgespräch
Moderation: Nele Hertling, Vizepräsidentin der Akademie der Künste, Berlin, und ehemalige Intendantin des Hebbel-Theaters Berlin


Do. 06. Nov. + Fr. 07. Nov. // 19.30 – 20.30 Uhr
Theater der Jungen Welt
Centre chorégraphique national d’Orléans / Josef Nadj
»Woyzeck – ou L’ébouche du vertige«
(»Woyzeck – oder Der Entwurf des Taumels«)
 (Videoausschnitt  )
Tanzstück nach Georg Büchner

Der Soldat Woyzeck wird durch Lebensumstände und die Untreue seiner Frau zum Mord getrieben. Josef Nadj entwickelt nach Georg Büchner ein Feuerwerk visueller Erfindungen ohne Worte – ein Kultstück des französischen Theaters.

Im Anschluss am 07. Nov.: Publikumsgespräch
Moderation: Nele Hertling, Vizepräsidentin der Akademie der Künste, Berlin, und ehemalige Intendantin des Hebbel-Theaters Berlin


Sa. 08. + So. 09. Nov. // 17.00 – 18.00 Uhr
Schaubühne Lindenfels
Centre chorégraphique national d’Orléans / Josef Nadj
»Journal d’un inconnu«
(»Tagebuch eines Unbekannten«)
 (Videoausschnitt  )
Tanzsolo
Deutschlandpremiere

Dieses Tanzsolo von und mit Josef Nadj bewegt sich voller hinreißendem Einfallsreichtum zwischen Komik und Katastrophe, Schmerz und Lebenslust. Nadj durchstöbert sein eigenes Tagebuch aus jugoslawischer Vergangenheit sowie Gedichte von Ottó Tolnai und dringt ins Unterbewusstsein der menschlichen Seele.



Rahmenprogramm

Der Eintritt dieser Veranstaltungen ist frei.


Di. 04. Nov. – Fr. 07. Nov. // 11.00 – 20.00 Uhr
Sa. 08. Nov. – So. 09. Nov. // 10.00 – 18.00 Uhr
Galerie Irrgang
Ausstellung
»Les corneilles« (»Die Krähen«)
Zeichnungen von Josef Nadj
Di. 04. Nov., 11.00 – ca. 12.30 Uhr Pressekonferenz zur Festivaleröffnung
und Vernissage in Anwesenheit von Josef Nadj (beides öffentlich)
Einführung: Dr. Meinhard Michael, Journalist und Kunsthistoriker, Leipzig


Fr. 07. Nov. // 17.00 – ca. 18.45 Uhr
Festivalcafé im Telegraph
Zwei Filme von und mit Josef Nadj
/ »Dernier paysage« (»Letzte Landschaft«) von und mit Josef Nadj
/ »Paso doble« von Agustí Torres mit Miquel Barceló und Josef Nadj
Deutschlandpremieren
Einführung: Dr. Martina Bako, Theaterwissenschaftlerin, Universität Leipzig