16. Festival 2006

Hauptprogramm


Freitag 10. Nov. // 22.00 – 23.15 Uhr
Samstag 11. Nov. // 22.00 – 23.15 Uhr
Werk II

5. Sokak Tiyatrosu, Istanbul


»Ashura«

Szenisches Konzert

Carte blanche: Das Gastspiel wurde ausgewählt durch Maria Magdalena Schwaegermann, Zürich.



Konzept und Inszenierung:

Mustafa Avkıran, Övül Avkıran

Musikkonzept:

I˙hsan Kılavuz, Sema

Musikarrangements:

I˙hsan Kılavuz, Kamil Erdem

Kostüme und Bühnenbild:

Ali Cem Körog˘lu

Lichtdesign:

Yüksel Aymaz

Technische Leitung:

Fikret Kemal Yig˘itcan

Darsteller und Musiker:

Mustafa Avkıran (Gesang), Övül Avkıran (Tanz), Sema (Gesang), Harun Ates¸ (Countertenor), I˙hsan Kılavuz (Gesang und Tamburin), Murat Bekin (Schlagzeug), Andreas Dormann (Klarinette), Kamil Erdem (Violoncello), Selahattin Yazıcıog˘lu (Kontrabass)

In armenischer, arabischer, griechischer, hebräischer, kurdischer, lasischer, türkischer und zazaischer Sprache mit deutscher Übertitelung

Im Anschluss an beide Vorstellungen findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Maria Magdalena Schwaegermann, künstlerische Leiterin Zürcher Theater Spektakel

Am 09. Nov., 17.00 Uhr, Festivalzentrum, hält Maria Magdalena Schwaegermann den Vortrag »Theater und Tanz in der Türkei«. Anschließend wird der Film »Crossing the bridge« von Fatih Akin gezeigt.



In ihren schwarzen Gewändern wandern sie über die Bühne, von ständiger Unruhe getrieben, verloren und fremd. Sie wissen nicht, wohin mit ihrer Identität, mit ihrem Glauben und ihrer Kultur. Volkslieder aus dem einst vielsprachigen, multikulturellen Anatolien fügen sich zu einer bewegenden szenischen Komposition zusammen.

Die Brisanz des ungewöhnlichen Stücks liegt in seiner Verbindung von Politik und Musik, von statistischen Fakten und Liedern voll herzzerreißender Schönheit. In szenischer Verdichtung wird die Geschichte menschlicher Gesellschaften und einer Kette von Ausgrenzungen, Vertreibungen und Vernichtungen des anderen, des Fremden erzählt. In mehreren Sprachen gesungene Schlaf- und Klagelieder, Hymnen und rituelle Gesänge erhalten eine weit über sich hinaus weisende Bedeutung.

Von 1927 bis 1965 hat der türkische Staat in Volkszählungen ermittelt, welche Sprachen im Land gesprochen werden. Diese Statistiken spiegeln die Vielzahl von Minoritäten, die in der Türkei gelebt haben und noch leben, wider. Historischer Kristallisationspunkt des Stücks sind die Zwangsumsiedlungen, die gemäß des Lausanner Abkommens von 1927 dies- und jenseits des Bosporus zur »einheitlicheren Population« vollzogen wurden: 1,5 Millionen griechisch-orthodoxe Einwohner mussten die Türkei verlassen und wurden gegen 400.000 Mohammedaner aus Griechenland eingetauscht.

Mustafa Avkıran, geboren 1963 im anatolischen Gaziantep, studierte an der Mimar Sinan Universität in Istanbul. Er ist Regisseur und wirkte als Schauspieler auch in zahlreichen Filmen mit. Gemeinsam mit seiner Frau Övül Avkıran, geboren 1971 in Istanbul und als Choreografin, Tänzerin und Schauspielerin tätig, gründete er 1995 die Compagnie 5. Sokak Tiyatrosu (Theater 5. Straße). Die Compagnie ist die derzeit international erfolgreichste Theatergruppe der Türkei.


Uraufführung: 27.05.2004, Harbiye S¸ehir Theater, Istanbul

Internetseiten der Compagnie: www.5sokaktiyatrosu.com

Produktion: 5. Sokak Tiyatrosu

Koproduktion: Istanbul Foundation of Culture and Arts / Zürcher Theater Spektakel / Amsterdam Stadtschouwburg / Utrecht Stadsschouwburg / Rotterdamse Schouwburg

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch das Goethe-Institut, München.