16. Festival 2006

Hauptprogramm


Donnerstag 09. Nov. // 19.30 – 21.00 Uhr
Schauspielhaus / Schauspiel Leipzig

Béla Pintér & Company, Budapest

in Zusammenarbeit mit dem Ungarischen Nationaltheater Budapest


»Roncsolt Kópia«

(»Zerkratztes Zelluloid«)

Musikdrama



Konzept und Inszenierung:

Béla Pintér

Musik:

Benedek Darvas

Bühnenbild:

Péter Horgas

Kostüme:

Mari Benedek

Darsteller:

Éva Csatári, Éva Enyedi, Sarolta Nagy-Abonyi, Tünde Szalontay, Sándor Bencze, Tamás Deák, Béla Pintér, László Quitt, József Szarvas, Szabolcs Thuróczy, József Tóth

Musiker:

Antal Kéménczy, István Kerti, László Nyíri, Gábor Pelva, György Póta, Géza Román, Bertalan Veér, Mátyás Veér

Dirigent:

Pál Bencsik

In ungarischer Sprache mit deutscher Übertitelung

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Dr. Martina Bako, Dozentin für Theaterwissenschaft, Universität Leipzig



Es ist der Abend des 20. April 1942. Eine Gruppe junger ungarischer Soldaten steht kurz vor dem Einsatz an der Front. Sie blicken optimistisch in die Zukunft, doch während der Abschiedsfeier werden fanatischer Nationalismus und private Tragödien deutlich. »Roncsolt Kópia« (»Zerkratztes Zelluloid«) – in Ungarn gespielt unter dem Titel »Gyevushka« – rührt an eine dunkle Seite der ungarischen Geschichte: die Kollaboration mit Nazi-Deutschland, den Antisemitismus und die Beteiligung an der Russlandoffensive 1942, die mit dem Tod Hunderttausender ungarischer Soldaten endete.

Die Musik von Benedek Darvas vereint Klänge der spätromantischen Oper à la Puccini mit Filmschlagern der 20er bis 40er Jahre. Die meist heiteren Klänge stehen in krassem Widerspruch zu der Radikalität des Themas. In Montage-Technik erinnern die parallel laufenden Szenen an Schwarzweiß-Filme aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Inhalt und Aufführungsstil des Stücks haben in Ungarn heftigste Diskussionen ausgelöst.

Béla Pintér, geboren 1970 in Budapest, ist neben Árpád Schilling der bedeutendste Regisseur der ungarischen freien Szene. Der Autodidakt begann seine Laufbahn mit 17 Jahren als Schauspieler bei der Compagnie Szkéné, einem der ersten ungarischen Off-Theater. 1998 gründete er seine eigene Gruppe, für die er nicht nur Stücke inszeniert, sondern auch selber schreibt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehört »Parasztopera« (»Bauernoper«), das 2003 in Ungarn als beste Musiktheaterproduktion des Jahres ausgezeichnet wurde.


»Ein anderthalbstündiger, charmanter Abend, der durch seine Freiheit im Umgang mit der Geschichte auffällt. Es regiert spielerischer Ernst, mit Zügen von Büchner’scher Fatalität« (Rüdiger Schaper, Der Tagesspiegel, Berlin, 23.11.2004).


Uraufführung: 05.11.2003, Ungarisches Nationaltheater Budapest

Internetseiten der Compagnie: www.pbest.hu

Produktion: Béla Pintér & Company

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturjahr »Ungarischer Akzent«, Budapest, und Collegium Hungaricum, Berlin.