11. Festival 2001

Hauptprogramm


Samstag 10. Nov. // 19.30 – 21.00 Uhr
Schauspielhaus

Ultima Vez, Brüssel


»Scratching the Inner Fields«
(»Die inneren Felder aufreißen«)

Tanztheater



Choreografie und Bühne:

Wim Vandekeybus

Tänzerinnen und Schauspielerinnen:

Laura Arís Alvarez, Marie-Hélène Bos, Carole Karemera, Iona Kewney, Natalia Labiano, Melina Mastrotanasi, Céline Perroud

Komposition:

Eavesdropper

Sound und Live Electronics:

Josh Martin

Lichtdesign:

Francis Gahide, Wim Vandekeybus



Wie Geier, wilde Pferde oder Wölfe jagen sieben Frauen über die Bühne, erfüllen ein wundersames, märchenhaftes Dunkel mit Bewegung. Sie graben sich in Erde ein, ziehen sich ängstlich in roh gezimmerte Behausungen zurück, entfachen Feuer gegen die Angst. Mit ihnen scheinen tausend Geister diese Bühne zu erfüllen. Tausend Geister, tausend Bedeutungen – die wenigsten werden sich dem Zuschauer entschlüsseln.

Atemlos spannen sie ein Gespinst aus Weissagungen, magischen Worten und verstörtem Rufen auf der Bühne aus. Zwischen rasanten Drehungen und kryptischem Spiel erfüllen Passagen aus der Erzählung »Zwellend Fruit« des belgischen Schriftstellers Peter Verhelst den Raum. Ein Text aus den Tiefen des Mythos. »Es wird regnen, unaufhörlich, sagen die einen. Die anderen sagen: Märchen werden wahr.« Das Thema, die weibliche Intuition, steht zwar in der Gefahr des Klischees, hier aber gelingt der Balanceakt zwischen einer Vorführung des »Mysteriums Frau« und dem blitzschnellen Abtauchen in Ironie, dem humorvollen Zerstören der Klischees.


»Vandekeybus verstört den Zuschauer aber vor allem mit seinen wilden Weibern, die regelrechte Hexentänze aufführen, roh, unglaublich schnell und schonungslos. Zarte Momente der Annährung gibt es kaum, hier wird gekämpft, nicht gekuschelt« (Alexandra Albrecht, Weser-Kurier, 12.03.2001).

Wim Vandekeybus gehört zu den herausragenden Vertretern der flämischen Theateravantgarde – in einem Atemzug zu nennen mit de Keersmaekers, Platel, Fabre und Lauwers. In seiner neuesten Arbeit wagt er den Schritt weg von kompakten Bildern hin zu einem faszinierenden Geflecht aus Tanz, symbolischen Aktionen und Spiel. Ein Blick in die unerfahrbaren, bestenfalls zu erahnenden seelischen Tiefen des menschlichen Körpers.

Wim Vandekeybus wurde 1963 geboren. Er nahm ein Psychologiestudium auf, widmete sich jedoch mehr Schauspiel, Tanz und Fotografie. Eine Audition bei Jan Fabre brachte die entscheidende Wende zum Theater hin. Nach zweijähriger Zusammenarbeit mit Fabre gründete er 1987 seine Compagnie Ultima Vez. In den folgenden Jahren entstanden Tanzproduktionen wie »What the Body does not remember« (1987), »Her Body Doesn’t Fit Her Soul« (1993, wo Vandekeybus erstmals mit blinden Tänzern arbeitete), »Exhaustion from Dreamt Love« (1996, für die Batsheva Dance Company) und »Body, Body on the Wall« (1996, ein Vandekeybus-Solo, geschrieben und inszeniert von Jan Fabre).


Uraufführung: 27.02.2001 in Paris

Internetseiten der Compagnie: www.ultimavez.com

Eine Produktion von Ultima Vez in Koproduktion mit Théâtre de la Ville, Paris, Teatro Comunale di Ferrara und Flanders Festival Brussels-Europe

Ultima Vez wird unterstützt vom Flanders Festival Brussels-Europe, ist Gastcompagnie des Teatro Comunale di Ferrara und wird gefördert von der Kulturvertretung der Flämischen Gemeinschaft.

Präsentiert von den Stadtwerken Leipzig