11. Festival 2001

Hauptprogramm


Donnerstag 08. Nov. // 19.30 – 21.30 Uhr
Schauspielhaus

Oskaras Koršunovas Theater, Vilnius


»A Midsummer Night's Dream«
(»Ein Sommernachtstraum«)

Shakespeares Komödie als kraftvolles Körpertheater



Regie und Bühne:

Oskaras Koršunovas

Soundtrack:

Gintaras Sodeika

Choreografie:

Vesta Grabstaite

Darsteller/Darstellerinnen:

Mindaugas Lungis, Alina Zujyte, Nerijus Gadliauskas, Airida Gintautaite, Rasa Samuolyte, Darius Gumauskas, Algirdas Grandanskas, Rytis Saladzius, Gintautas Ryliskis, Sonata Visockaite, Zivile Sliuzaite, Eglë Valyte, Dainius Gavenouis, Daiva Siurblyte, Rasa Kulyte, Asta Jestremskaite, Kristina Jakubauskaite, Tomas Ivanauskas, Karina Metrikyte

In litauischer Sprache mit Übertiteln

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Ann-Elisabeth Wolff, Festivaldirektorin euro-scene Leipzig



Die vier Liebenden im Wald bei Athen, die Turbulenzen am Hof des Elfenkönigs, das Treiben Pucks – bei Shakespeares »Sommernachtstraum« erwartet man eine in verspielten Kostümen schwelgende Märchengeschichte, Mendelssohn Bartholdys Hochzeitsmusik und ein aufwendiges Spektakel.

Ganz anders bei Oskaras Koršunovas. 17 Darsteller auf einer leeren Bühne. Jeder gewappnet mit einem körpergroßen Brett, seinem eigenen Stück des wundersamen Waldes. Dieses sich bewegende, chorisch auffliegende und niederstampfende Holz verwandelt sich ins Bühnenbild, wird Innen und Außen, wird die Enge des Palastes und weiter Wald, wird Kostüm und Mobiliar. Dieses Brett ist zugleich das Steuer, das den Zuschauer durch das Meer möglicher Bedeutungen zu seiner eigenen Phantasie geleitet. Figuren ragen in diesen Wogen auf, schießen ihre Sätze wie kleine Pfeile ins Wortgefecht und tauchen blitzartig unter. Expressives Körpertheater, das auf die Mittel von Slapstick und Clownerie nicht verzichtet, doch auch wahrhaftige, stille Momente zu schaffen vermag. Im mystisch verworrenen Geschehen des Waldes sticht die Liebe Wunden, schafft die Zauberblume Wollust und Pein, richtet wundersame Fügung alle Verirrungen des Gefühls.

Oskaras Koršunovas wurde 1969 in Vilnius geboren. Von 1989 bis 1993 studierte er Regie an der litauischen Hochschule für Musik. Von 1997-99 arbeitete er als Regisseur am Staatlichen Akademischen Theater in Vilnius. 1999 gründete er (mit Gintaras Sodeika und Martynas Budraitis) das unabhängige Oskaras Koršunovas Theater. Seit Anfang der 90er Jahre entstanden zwölf große Inszenierungen (zuletzt »Feuergesicht« von Marius von Mayenburg und »Meister und Margarita« nach Bulgakow), mit denen das Theater auch auf den großen Festivals Europas präsent ist. Bereits 1997 gastierte Koršunovas mit »Die Alte« nach Daniil Charms bei der euro-scene Leipzig.

Dieser »Sommernachtstraum« ist dramatisches Theater, dargeboten mit dem ganzen Körper, ist komödiantisch und turbulent – Theater für die ganze Familie und für alle Sinne. Und nebenbei ein kraftvolles Pendant zur aktuellen »Sommernachtstraum«-Inszenierung im Leipziger Schauspielhaus.


Premiere: 17.11.1999 in Helsinki

Internetseiten der Compagnie: www.okt.lt