11. Festival 2001

Hauptprogramm


Sonntag 11. Nov. // 17.00 – 18.30 Uhr
Montag 12. Nov. // 20.00 – 21.30 Uhr (euro-scene Echo)
Schaubühne Lindenfels

Diquis tiquis, San José (Costa Rica)


»reloj de arena y flor«
(»Sanduhr und Blume«)

Poetisches Körpertheater

Uraufführung



Choreografie und Interpretation:

Alejandro Tosatti, Sandra Trejos

Lichtdesign:

Rico Heidler, Alejandro Tosatti



Ein warmes Sonnenlicht breitet sich über die Szene. Ein verlassener Koffer, mannshoch, weit gereist und abgewetzt, öffnet sich. Das weiße Leinenhemd darin – es scheint zu atmen. Sanft beleben sich die Arme, ein Kopf wächst empor und Blumen sprießen aus den Fächern. Zwei Menschen entsteigen dieser seltsamen Behausung, schweben über die Tanzfläche und beginnen, eine magische Geschichte zu erzählen. Zwei Menschen unterwegs zwischen den Welten, ihr Zuhause ist die Welt, ihre Welt sind Sehnsüchte und Hoffnungen. Ausgangs- und Mittelpunkt dieser Inszenierung ist ein mannsgroßer Schrankkoffer, jener Koffer, mit dem der Vater Alejandro Tosattis Anfang der 50er Jahre von Italien nach Costa Rica übersiedelte. Ein Symbol des Reisens zwischen den Kulturen, das sich als höchst wandlungsfähig erweisen wird und nicht nur den Tänzern, sondern auch unserer Phantasie Flügel verleiht.

Diquis Tiquis existiert seit 1983. Gegründet in San José, Costa Rica, hat die Gruppe ihren eigenen Weg gefunden, Tanz, Theater und Mime miteinander zu verschmelzen. Sandra Trejos und Alejandro Tosatti arbeiteten in den 70er und 80er Jahren in experimentellen Theater- und Tanzcompagnies in Costa Rica. Ihre Arbeit wurde beeinflusst vom postmodern dance, den geistigen Werten des Tanztheaters der Hindu, der Aufrichtigkeit des Butoh, der Unmittelbarkeit des tschechischen Clowns Boleck Polivka und den Wurzeln der lateinamerikanischen Kultur. Sie studierten die Theorie und die Schauspielarbeit im Sinne der Theateranthropologie des Eugenio Barba. Seit 1988 sind Diquis Tiquis auf nationalen und internationalen Festivals präsent und in den meisten Ländern Lateinamerikas, in den USA und zahlreichen Ländern Europas aufgetreten.


»Atmosphärische Dichte, surreal-strenge Bewegungsqualität, dazu ein alle Perspektiven sprengender Umgang mit Objekten sind Stilmerkmale des poetischen Körpertheaters der Gruppe Diquis Tiquis« (Franz Anton Cramer, faz, 09.01.2000).

Die sehnsuchtsvoll-versöhnende Seite des Körpers, ein Stück von der Harmonie der Gegensätze. Die Bewegung des Körpers spannt den Bogen in eine andere Kultur und in die Welt des Surrealen. Eine wunderbare bewegte und bewegende Vision von menschlichem Theater.


Uraufführung: 11.11.2001 in Leipzig

Eine Produktion von Diquis Tiquis in Koproduktion mit fabrik e.V., Potsdam und Barbara Friedrich, Berlin