11. Festival 2001

Hauptprogramm


Mittwoch 07. Nov. // 22.00 – 23.00 Uhr
Donnerstag 08. Nov. // 22.00 – 23.00 Uhr
Neue Szene

De Daders, Amsterdam


»flus«

Bewegungstheater

Deutschlandpremiere



Idee:

Jan Langedijk

Darsteller/Darstellerin:

Murray Campbell, Martin Hofstra, Ivana Kurelja, Jan Langedijk

Schlussregie:

Frans Poelstra

Im Anschluss an die Vorstellung am 07. Nov. findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Michael Freundt, Theaterwissenschaftler, Leipzig



Das Gehör ist ein Sinnesorgan, dem wir blind vertrauen. Was aber, wenn das Gehörte dem Gesehenen widerspricht? Was ist wahr und was erfunden?

In »flus« produzieren vier Menschen ein Hörspiel. In scheinbar beiläufigen Sequenzen erzeugen sie Geräusche, Satzfetzen und Musik. Was zusammenhangslos und bedeutungsfrei entsteht und live in einem Computer gespeichert wird, stellt sich als hochdramatisches Tondokument heraus.

De Daders werfen einen Blick auf diese unsere Welt, in der Sinneseindrücke montiert werden. Wahrnehmung wird manipuliert, »Wahrheit« produziert. Und je abgeklärter und professioneller dies geschieht, desto gefühliger und emotional aufgeladener präsentieren sich Unterhaltung, Werbung, Nachrichten.

Der Regisseur Jan Langedijk, geboren 1957, steht für eine besondere, durchaus intellektuell zu nennende Entwicklung im niederländischen Körper- und Bewegungstheater. Bis 1986 studierte er an der Mime-Abteilung der Amsterdamer Theaterhochschule, seither produziert er jedes Jahr ein Stück. 1989 erhielt er den niederländischen Mimepreis. Berühmt geworden ist das Stück »a fields guide to imaginary behaviour«, das De Daders mit John Maynard Smith 1999 kreierten und in dem sich Video- und Bühnengeschehen faszinierend ineinander verweben. Im vielgestaltigen Spektrum der niederländischen Tanz- und Theatersszene – die besonders in den 80er Jahren Vorbild für genreübergreifende, freie Theaterarbeit in ganz Europa war – sind aktuell nur wenige Impulse für zeitkritische künstlerische Arbeiten im Sinne eines Problematisieren des (individuellen und sozialen) Körpers zu finden. Hier avancierte Langedijk zu einem genauen Analytiker. Sein Thema ist das Spiel mit der Wahrnehmung, seine Frage: Wo bleibt der Mensch im Strom der medialen Bilder und Klänge?

»flus« zeigt raffiniert-intellektuelles Körpertheater, den Menschen im Zusammenspiel mit der Technik, die Verwebung von Körper und Geist mit audiovisuellen Medien. »flus« ist nicht-psychologisches Theater. Und doch steckt das Stück voller Psychologie und Emotionen. Besser gesagt: Was davon im Stück ist, findet sich nicht auf der Bühne, sondern allein in unseren Köpfen.


Uraufführung: 12.05.2001 in Amsterdam

Internetseiten der Compagnie: www.dedaders.nl

Mit freundlicher Unterstützung von Fonds voor de Podiumkunsten, Den Haag, Königlich Niederländische Botschaft, Berlin