10. Festival 2000

Hauptprogramm


Freitag 03. Nov. und Samstag 04. Nov. // 19.30 – 21.00 Uhr
Peterskirche

Festivaleröffnung

Victoria & Les Ballets C. de la B., Gent


»Allemaal Indiaan«

(»Jedermann ist ein Indianer«)

Stück von Alain Platel und Arne Sierens



Konzeption und Text:

Alain Platel, Arne Sierens

Bühnenbild:

Karina Lambert

Kostüme:

Lieve Pynoo

Lichtdesign:

Harry Cole

Darsteller:

Thomas Allegaert/Jelle Vandersteene (Joeri), Hakim Boulyou/Simon Dhanens (Xavier), Frederik Debrock (Steve), Johan Heldenbergh (Franky), Margot Neyskens/Marie Gyselbrecht (Elleke), Natacha Nicora (Kosovo), Lies Pauwels (Mireille), Arend Pinoy (Arno), Clara van den Broek (Cri-cri), Lotte Vandersteene/Hanne Vandersteene (Kim), Vanessa (Tosca), Sara van Kerschaever (Nancy), Nick van Vlaenderen (Davy)


In flämischer Sprache mit deutscher Übertitelung

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Klemens Wannenmacher, Programmkoordinator und Regisseur, Rotterdam



Zwei Häuser, zwei Familien. Die Einsamkeit des Indianers – inmitten des quirligen Lebens der Großstadt. Bietet die Familie heute noch den Schutz wie ein Indianerreservat oder versucht man nicht vielmehr, die Freiheit in der Unabhängigkeit zu finden? Alltagsszenen von Weggehen und Wiederkommen, von rauher Gewalt und unbeholfener Zärtlichkeit.

Alain Platel, 1956 in Gent geboren, schildert in seinem turbulenten letzten Stück ein anrührendes Spektrum des Lebens uns sieht nicht in der Vollkommenheit, sondern in der Behinderung einen Ausdruck von Menschlichkeit. Gemeinsam mit dem belgischen Schriftsteller Arne Sierens schuf er bereits die Stücke »Moeder en kind« (»Mutter und Kind«) und »Bernadetje«.

Kein anderer Regisseur vermag es heute so genial wie Alain Platel, normales Leben scheinbar ganz normal zu zeigen und dennoch so stark zu stilisieren, dass Realität wie selbstverständlich wieder zur Kunst wird. Wunderbare Profi-Schauspieler und frappierend gute Laien spielen die vielschichtigen Szenen – quicklebendig, laut und anrührend.

»Allemaal Indiaan« ist nach »La tristeza cómplice« (1996), »Bernadetje« (1997) und »Iets op Bach« (1998) das vierte Stück von Alain Platel, das zur euro-scene Leipzig eingeladen wird. Die Atmosphäre von »Allemaal Indiaan« ist recht grimmig und gewalttätig, wenig hoffnungsvoll, jedenfalls weniger als bei den letzten Produktionen – und dennoch gibt es ganz starke Momente von Liebebedürftigkeit, menschlichem Verstehen und einer Ahnung von dem ewigen Fluss des Lebens.

Bei »Allemaal Indiaan« handelt es sich um das letzte Stück von Alain Platel (der sich vom Theater zurückziehen wird). Es stellt eine Kostbarkeit des europäischen Theaters dar, ist nur in ausgewählten Städten zu sehen und feierte Triumphe von Brüssel und Paris bis London und Rom, beim Festival in Avignon und bei den Salzburger Festspielen.


Uraufführung: 17.11.1999, Gent

Produktion: Holland Festival Amsterdam / Théâtre de la Ville, Paris / Salzburger Festspiele / Internationales Sommerfestival Hamburg / Aarhus Festival / Göteborg Dans & Theatre Festival / REF – Romaeuropa Festival 2000 / Teatro Nacional de Catalunya Barcelona

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch das Ministerie van de Vlaamse Gemeenschap – Administrative voor de Kunst, Brüssel / Frans Brood Productions, Gent.