10. Festival 2000

Hauptprogramm


Sonntag 05. Nov. // 17.00 – 18.30 Uhr
Neue Szene

(Beitrag des Schauspiel Leipzig in eigener Auswahl)

Schauspiel Leipzig


»Top Dogs«

Stück von Urs Widmer



Text:

Michael Thalheimer

Inszenierung:

Michael Thalheimer

Bühnenbild und Kostüm:

Olaf Altmann

Darsteller:

Dirk Audehm, Christoph Hohmann, Michael Mechel, Günter Schoßböck, Isabel Schosnig, Susanne Stein, Berndt Stübner, Friderikke Maria Weber



»Sie fahren Porsche, fliegen First Class und bewohnen Einfamilienhäuser. Sie sind hochqualifiziert, dynamisch und durchsetzungsfähig. Sie sind Manager in Führungsetagen – Top Dogs. Eine Konzern-Elite auf der Sonnenseite des Lebens. Bislang. Denn die Schatten der Unternehmens-Verschlankungen fallen immer öfter auch in ihre lichtdurchfluteten Büros. Nicht wenige teilen mittlerweile das Schicksal von Millionen Unterdogs: die Arbeitslosigkeit« (Klaus Baschleben, Leipziger Volkszeitung, 16./17.05.1999).


Macht und Geld schützen also vor Kündigung nicht. Manege frei für den Seelenstrip. Die mühsam geschilderten Erfahrungen lassen die Wirtschaftsleute aus den verschiedensten Bereichen nackt erscheinen. In einem quadratischen Karree, ähnlich einem Boxring, entblößen sie nacheinander ihr Inneres und hoffen, dadurch die Enttäuschungen verarbeiten zu können.

Der schweizerische Autor Urs Widmer erhielt für sein Stück »Top Dogs«, uraufgeführt 1996 in Zürich, den bedeutenden Mühlheimer Theaterpreis. Michael Thalheimer inszenierte erstmals in Leipzig und schuf mit dem ausgezeichneten Ensemble ein starkes Konfrontationstheater und eine dramatische Gebrauchsanweisung mit Seltenheitswert: Erkenne dich selbst, ohne in den Spiegel zu schauen! Die Darsteller behalten im Stück ihre eigenen Namen und geben eine ausgezeichnet ineinander fließende Mischung von drängender Realität und theatralischer Abstraktion.


»›Unsere Gesellschaft definiert sich vor allem über Arbeit‹, sagt Urs Widmer und spricht über den Anteil der Arbeitslosigkeit an der Degeneration des Menschen. ›Wenn in so einer Lage Arbeit nicht mehr möglich ist, kommt es zum Fiasko. Man ist nichts mehr ohne Arbeit.‹ Konsequent dekonstruiert deshalb Michael Thalheimers Inszenierung die Legende vom Glück ohne Ende« (Evelyn Finger, Theater der Zeit, Juli/August 1999).


Uraufführung: 14.05.1996, Zürich
Premiere: 13.05.1999, Leipzig
Produktion: Schauspiel Leipzig