10. Festival 2000

Hauptprogramm


Samstag 11. Nov. // 19.30 – 20.30 Uhr
Schauspielhaus

Festivalabschluss

Compagnie Mossoux & Bonté, Brüssel


»Simonetta Vespucci«

Tanztheater von Patrick Bonté und Nicole Mossoux



Konzeption:

Patrick Bonté

Inszenierung und Choreografie:

Nicole Mossoux, Patrick Bonté

Musik:

Christian Genet

Darsteller:

Lilian Bruinsma, Jean Fürst, Sébastien Jacobs, Isabelle Lamouline, Séverine Matteuzzi, Enzo Pezzella, Annette Sachs

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: André Thériault, Künstlerischer Leiter TanzWerkstatt Berlin



Die Renaissance – Sinnbild für Dekadenz, Schönheit und Sinnlichkeit. Sieben Personen durchqueren eine künstliche Welt, die von Narzissmus, Heuchelei, Verführung und Scheinheiligkeit geprägt ist. Da biedert man sich an und stellt sich aus, man gefällt sich im äußeren Schein und hinterfragt niemals die Oberfläche. Schöne Menschen, Selbstkontrolle, gediegene Kostüme und eine suggestive Klangwelt sind Teil einer Inszenierung, die uns den Manierismus und die Neurosen eigenen Verhaltens wieder finden lässt.

In Anlehnung an ein Porträt der Florentinerin Simonetta Vespucci von Piero di Cosimo entstand diese Inszenierung, die durch sparsame Andeutungen, charmante Gesten und raffinierten Filmvergrößerungen aktuellere und erotischere Bezugspunkte schafft, als es heute oft veranstaltete Orgien, Gewalt und Sex auf der Bühne vermögen. Durch eine Choreografie, die in seltsamer Ästhetik Elemente von Renaissance-Tänzen mit in diesem Zusammenhang gewagten modernen Elementen mischt, entstand ein Bühnenwerk von ganz eigener Faszination.

Piero di Cosimo lebte von 1461-1521 und ist wohl nicht so bekannt wie etwa seine italienischen Zeitgenossen Raphael, Michelangelo, Tizian und Pontormo. Sein Porträt der schönen Simonetta Vespucci von 1480, Aristokratin und bevorzugtes Modell mehrere Maler, hängt heute im Schloss Chantilly bei Paris.

Nicole Mossoux und Patrick Bonté schufen seit 1985 etwa 18 gemeinsame Produktionen, von denen »Les dernières hallucinations de Lucas Cranach« bei der euro-scene Leipzig 1995 in der Neuen Szene zu sehen war. Dieses Stück gehört neben »Twin houses« (1994), »Contre Saturne« (1996) und »Gradiva« (1999) zu den erfolgreichsten. Nicole Mossoux ist Tänzerin und Choreografin, Patrick Bonté ließ sich als Regisseur oft von Motiven aus der bildenden Kunst inspirieren.


Uraufführung: 24.05.1998, Charleroi
Premiere der Neufassung: 04.12.1998, Brüssel

Produktion: Compagnie Mossoux-Bonté / Charleroi Danses (Centre Chorégraphique de la Communauté Française de Belgique) / La Rose des Vents (Scène Nationale de Villeuneuve d’Ascq)

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch das Commissariat Général aux Rélations Internationales de la Communauté Française de Belgique, Brüssel.