08. Festival 1998

Hauptprogramm


Mittwoch 11. Nov. – Sonntag 15. Nov. // 17.00 – 18.45 Uhr und 19.30 – 21.15 Uhr
Pleißenburg-Kasematten (Neues Rathaus)

Theater ohne Grenzen, Wien


»Schlappstock«

1 Stück für 1 Musiker, 1 Spieler und 66 Figuren

Deutschlandpremiere



Idee und Konzeption:

Martina Winkel, Otto Lechner, Airan Berg

Inszenierung:

Martina Winkel

Musik:

Otto Lechner

Puppenbau:

Christoph Krumböck

Lichtdesign:

Emre Tuncer, Silvia Auer

Darsteller:

Airan Berg

Musiker:

Otto Lechner (Keyboard)

Die Aufführung gibt auch die Möglichkeit den Rathausturm zu besteigen (oben herrlicher Blick auf Leipzig!). Im Turm sind während des Festivals auch Ausstellungen zu sehen von:
- Nick Mangafas, Wien (Fotos zu »Schlappstock«)
- Peter Blau, Berlin (Diamalereien und Projektionen)
(alles im Kartenpreis enthalten)



Stumm sitzen sich die Puppen gegenüber und warten. In den Kasematten herrscht Grabesstille, die nur vom Tropfen des auftauenden Eises unterbrochen wird. Ein gewaltiger Stempel holt die Puppen in die Realität, in der die Arbeit knapp geworden ist.

Musik rauscht durch das Keller-Labyrinth und scheint hoffnungsvoll zu versöhnen. Doch immer mehr winzige Püppchen klettern den Tisch empor, das Heer der Arbeitslosen nimmt bedrohliche Formen an. Die Situation spitzt sich zu bis hin zu einem tödlichen Ende...

Diese Geschichte von Puppen, die auszogen, die Arbeit wieder zu finden, ist ein Glücksfall von Theater. Im surrealistischen, phantasiereichen Zusammenspiel von Mensch, Sprache, Puppen, Musik, Objekten und Raum findet die Realität ihr Abbild, ohne einen einzigen Moment lang realistisch zu sein.

Das Theater ohne Grenzen wurde 1993 von Martina Winkel (Theaterwissenschaftlerin) und Airan Berg (Schauspieler und Regisseur) als Puppen-, Objekt- und Schattentheater für Erwachsene gegründet. Poesie und Humor, Musikalität und Experiment bestimmen ihre Produktionen, die meist in einem sozialpolitischen Kontext stehen. Otto Lechner ist eine europäische Berühmtheit im Akkordeonspiel und Free Jazz. Seine Musik prägt »Schlappstock« ganz entscheidend.

Die Pleißenburg-Kasematten unter dem Leipziger Neuen Rathaus werden jetzt erstmals in ihrer Geschichte für Theater erschlossen. Die Suche nach einem für diesen Ort passenden Stück führt zu »Schlappstock«, das sich sowohl räumlich als auch thematisch wunderbar für diesen äußerst spannenden Raum eignet. Die Verquickung von Historie und Gegenwart, von Spiel und Ernst verspricht, zu einem Höhepunkt im Theaterleben unserer Stadt zu werden.


An der Stelle des Neuen Rathauses stand einst die Pleißenburg, eine am Anfang des 13. Jahrhunderts errichtete Zwingburg zur Beherrschung der Stadt. Nach schweren Zerstörungen durch Belagerungen ließ Herzog Moritz von Sachsen die alte Burg abtragen und seit 1549 durch Hieronymus Lotter und Paul Speck eine dreieckige Festung mit tiefen Kasematten und Wassergräben errichten.

Die Kasematten sind der einzige erhaltene Rest dieser Festung, die seit 1897 abgetragen wurde, um am gleichen Ort 1899-1905 das Neue Rathaus nach den Entwürfe von Hugo Licht errichten zu können. Der 115 m hohe Rundturm steht auf den Grundmauern des Pleißenburgturms.


Uraufführung: 02.04.1997, Wien

Produktion: Theater ohne Grenzen, Wien, mit freundlicher Unterstützung des dietheater Konzerthauses, Wien.

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch die Stadt Leipzig.