08. Festival 1998

Hauptprogramm


Freitag 13. Nov. // 19.30 – ca. 20.30 Uhr
Samstag 14. Nov. // 17.00 – ca. 18.00 Uhr
Kellertheater

Lina do Carmo, Köln/Brasilien


»Fugitus«

Tanz-Solo im Dialog mit Konzert-Piano



Konzeption und Choreografie:

Lina do Carmo

Musik:

Johann Sebastian Bach

Kostüme:

Nieves

Lichtdesign:

Burkhard Jüterbock

Tänzerin:

Lina do Carmo

Pianistin:

Pi-hsien Chen



Bachs »Kunst der Fuge« gilt als eines der rätselhaftesten und komplexesten Werke der Musikgeschichte. Dieser gigantische Torso, mit den »Goldberg-Variationen« und dem »Musikalischen Opfer« zu den großen späten Zyklen gehörend, stellt ein aus allen Arten von Fugen seltsam konstruiertes Gesamtwerk dar. Die »Kunst der Fuge« war Bachs letzte Komposition (1747-49), sie blieb unvollendet und nicht instrumentiert. Ihre Struktur konnte bis heute nicht restlos geklärt werden.

Es gab bereits mehrere choreografische Umsetzungen von Teilen der »Kunst der Fuge«. Lina do Carmo schuf hingegen die erste szenische Version des gesamten Werkes. »Fuga« (lateinisch: Flucht) bedeutet für sie die ewige Fortsetzung des Lebens, der Fluss der Existenz. Ein stummer Monolog entfaltet sich in vielfältigen Bildern, ein fragmentarisches Verhältnis zwischen dem Menschen und dem Göttlichen, eine bildhafte Liturgie jenseits verbaler Bedeutung, die übersetzt, was unübersetzbar ist.

Lina do Carmo gilt als Brasiliens wichtigste Repräsentantin des visuellen Körpertheaters, Body and Soul – brasilianische »Seele« und europäischen »Geist« – miteinander verbindend. Nach einer Ausbildung als Schauspielerin und Tänzerin in Brasilien und den USA studierte Lina do Carmo 1983-86 in Paris Pantomime bei Marcel Marceau und wurde dessen Assistentin.

Einer erfolgreichen Theater- und Fernsehkarriere folgte 1988 ihre Übersiedlung nach Europa. In Deutschland entstanden bisher fünf abendfüllende Soli, die sie in zahlreichen Städten des In- und Auslands zeigte. Vier Stücke, z. B. »Victoria Regia« (1990) und »Capivara« (1997), fußen auf Motiven aus der Natur und den Mythen Brasiliens. Einzig mit »Fugitus« wandte sich die Tänzerin einem sehr deutschen Thema zu.

Ph-hsien Chen wurde in Taiwan geboren und kam mit neun Jahren nach Köln. Sie erhielt den 1. Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. Ihre anschließende Konzertätigkeit machte sie schnell auf den großen Konzertpodien Europas bekannt. Die musizierte mit so bedeutenden Orchestern wie dem London Symphony Orchestra, dem BBC-Symphony-Orchestra und dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam. Ph-hsien Chen ist seit 1983 Professorin für Klavier an der Musikhochschule Köln.


Uraufführung: 26.11.1993, Köln