08. Festival 1998

Hauptprogramm


Samstag 14. Nov. und Sonntag 15. Nov. // 19.30 – 21.00 Uhr
Schauspielhaus

Festivalabschluss

Les Ballets C. de la B. & Ensemble Explorations, Gent


»Iets op Bach«

(»Kleinigkeiten zu Bach«)




Konzeption und Inszenierung:

Alain Platel

Musik:

Johann Sebastian Bach

Musikalische Leitung:

Roel Dieltiens

Bühnenbild:

Pol Heyvaert

Kostüme:

Pynoo

Lichtdesign:

Gerd Van Looy

Tänzer:

Lazara Rosell Albear, Gabriela Carrizo, Franck Chartier, Larbi Cherkaoui, Lizi Estarás, Minne Ghani, Samuel Louwyck, Einat Tuchman, Darryl E. Woods

Darsteller:

Necati Koÿlü (Junge), Lies Buysse, Laura Neyskens (Mädchen)

Sänger:

Greta De Reyghere (Sopran), Werner Van Mechelen (Bariton), Steve Dugardin (Alt)

Musiker:

Christine Busch (Violine), François Fernandez (Violine), Martina Graulich (Viola), Ute Grewel (Kontrabass), Robert Kohnen (Orgel und Cembalo), Saskia Fikentscher (Oboe), Frank Theus (Traversflöte), Roel Dieltiens (Violoncello)



Eine nomadische Artistenfamilie auf einer Dachterasse zwischen Fernsehantennen, Schornsteinen und Luftschacht: Ein Akrobat, ein Transvestit und ein Behinderter, klagende Frauen, ein vom Vater bedrängtes Mädchen und ein Liebespaar. Rausch, Blut, Zärtlichkeit und Begierde, Poesie der Freiheit, Belanglosigkeit des Frohsinns, Himmel und Hölle im Alltag.

Alain Platel, geboren 1956 in Gent, ist eine faszinierende Ausnahme-Erscheinung des modernen europäischen Theaters. Er fühlte sich schon immer magisch von der Musik Johann Sebastians Bachs angezogen. Doch erst nach seinem Umgang mit Georg Friedrich Händel in »Bonjour Madame...« (1993) und Henry Purcell in »La tristeza cómplice« (»Die Traurigkeit teilen«, 1995) wagte er es, sich dieser »heiligsten aller Musik« zu nähern.

Bach und der Alltag – kein Widerspruch scheint größer zu sein. Mathematische Konstruktion, Pathos und religiöser Hintergrund bestimmen so oft die Sicht auf seine Kompositionen, dass eines beinahe vergessen zu sein scheint: der Mensch. Bachs Probleme wie Ärger mit den Vorgesetzten, Ablenkung durch Arbeit und das Ersticken im täglichen Kleinkram sind uns so fremd nicht. Das Thema des Todes assoziiert Platel, anklingend immer wieder in Bachs Kantaten und Passionen, ebenso wie Vitalität, Empörung, Trivialität, Leidenschaft, Versagen und Resignation – auch im politischen Sinn.

Der belgische Cellist Roel Dieltiens, der sowohl als Solist als auch mit seinem Kammerorchester in zahlreichen Ländern gastiert, hat großen Anteil an der Produktion – nach »La tristeza cómplice« (1996) und »Bernadetje« (1997) das dritte Stück von Alain Platel bei der euro-scene Leipzig. Für »Iets op Bach« passt kein gängiger Untertitel – vielleicht ist es eine »volkstümliche Oper des reinen Herzens«...


Uraufführung: 11.05.1998, Brüssel

Produktion: euro-scene Leipzig / Expo 1998, Lissabon / Hebbel-Theater Berlin / Kunstencentrum Vooruit, Gent / Internationales Sommertheater-Festival Hamburg / South Bank Centre, London / Northern Stage Newcastle / Théâtre de la Ville, Paris / ERT Modena / Kunsten Festival des Arts, Brüssel

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch Ministerie van de Vlaamse Gemeenschap-Administratie voor de Kunst, Brüssel / Frans Brood Productions, Gent.