08. Festival 1998

Hauptprogramm


Dienstag 10. Nov. // 19.30 – 20.30 Uhr
Schauspielhaus

Festivaleröffnung

Cesc Gelabert, Barcelona


»Im (Goldenen) Schnitt I«

Ein Solo von Gerhard Bohner (1936-92)



Rauminstallation:

Vera Röhm

Musik:

Johann Sebastian Bach, aus »Das Wohltemperierte Klavier«, Buch I,
Präludium und Fuge 1-12 in einer Einspielung von Keith Jarrett (ECM-835246-2)

Choreografie:

Gerhard Bohner

Rekonstruktion:

Cesc Gelabert



Ein einziger Tänzer – und Klaviermusik von Bach. Der nicht mehr junge Mann schreitet, in einen nachtblauen Mantel gehüllt, langsam durch Säulen hindurch, die von innen zu leuchten beginnen. Geborstene Pfosten aus Holz und Plexiglas, Natur und Künstlichkeit, ein Ritualplatz vielleicht. Der Mann ist nicht einsam, sondern bloß bei sich selbst, im Dialog mit seinem eigenen Körper, dem Raum, den Tönen, der Stille, der Zeit.

Inmitten unseres Alltags von Bilderwut und Medien, von Hast und Technik geschieht etwas Unvorstellbares: Eine Symbiose von Strenge und Leichtigkeit geben, im Einklang mit der Transparenz der Musik, eine Ahnung von dem, was Kunst ab und zu noch zu leisten vermag, nämlich ernsthaft Reinheit und Einhalt zu suchen, den Sinn und die Größe des Lebens, aber auch dessen Ende zu erahnen.

Gerhard Bohner ist einer der ganz großen Persönlichkeiten des deutschen Tanzes. Nachdem er sich von seinem Engagement als Solist im Ballett der Deutschen Oper Berlin gelöst hatte, suchte er in Solotänzen seine eigene Identität. Er leitete das Tanztheater in Darmstadt, später – mit Reinhild Hoffmann – das in Bremen. Schon von seiner Krankheit gezeichnet, schuf und tanzte er die Trilogie »Im (Goldenen) Schnitt«, dessen immer gleiches Schrittmaterial er in einem jeweils anderen Raum umsetzte.

Der Tänzer Cesc Gelabert, geboren in Barcelona, gehört zu den derzeit bekanntesten Choreografen Spaniens. Er gründete 1986 gemeinsam mit der Britin Lydia Azzopardi die Companyia de Dansa und arbeitet seit 1985 auch regelmäßig in Berlin. In tiefer künstlerischer und menschlicher Hochachtung gegenüber Bohner rekonstruierte er 1996 »Im (Goldenen) Schnitt I« und ließ dessen gleichsam testamentarisches Werk wieder auferstehen. Die bisher einzige Rekonstruktion einer Choreografie von Bohner – ein Geniestreich der Tanzmoderne.


Uraufführung: 02.05.1989, Berlin
Premiere der Rekonstruktion: 18.10.1996, Berlin

Produktion: Akademie der Künste, Berlin-Brandenburg / Gelabert-Azzopardi Companyia de Dansa, Barcelona

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch CoPEC – Büro zur Förderung der Katalanischen Kultur.