08. Festival 1998

Hauptprogramm


Mittwoch 11. Nov. und Donnerstag 12. Nov. // 22.00 – ca. 0.45 Uhr
Peterskirche

Internationale Bach-Nacht

Choreografien aus sechs Ländern nach Musik von Johann Sebastian Bach

Technische Gesamtleitung: Bernd Erich Gengelbach



1. Compagnie Werner Stiefel, Leipzig


»Ein Air geht um die Welt«

Uraufführung



Konzeption, Choreografie, Bühne und Kostüme:

Werner Stiefel

Musik:

Orchestersuite Nr. 3, D-Dur, daraus Air (2. Satz)

Tänzer:

Michael Goldhahn (Ballett der Oper Leipzig), Marcus Born (Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy«, Leipzig)

Sänger:

Ensemble amarcord: Wolfram Lattke, Dietrich Barth (Tenor), Frank Ozimek (Bariton), Holger Krause, Daniel Knauft (Bass)



Werner Stiefel, geboren 1954 in Malchin/Mecklenburg, war von 1972-90 am Ballett der Oper Leipzig engagiert, zunächst als Gruppen-, später als erster Solotänzer. Dann wechselte er für sechs Jahre an das Tanztheater des Schauspiel Leipzig. Seit 1990 choreografiert er eigene Kammertanzabende, so »Pas de Triangel« mit Klangmaschinen von Erwin Stache (eingeladen zur euro-scene Leipzig 1992) und »BB-Stübl« am Opernhaus Halle (1993). Mit »Bachsche Verwirrungen« (1994) wandte er sich erstmals Musik von Bach zu.

Sehr erfolgreich sind auch Stiefels Kinderprogramme. In sein neuestes Stück »Der geklaute Tretesel« (1998) bezog Stiefel auch das Gesangsensemble amarcord ein. Dieser hervorragende und auch international erfolgreiche a-cappella-Chor besteht aus fünf ehemaligen Mitgliedern des berühmten Leipziger Thomanerchors


Produktion: euro-scene Leipzig



2. Annamirl van der Pluijm, Rotterdam


»Solo M«




Choreografie, Bühne und Kostüm:

Annamirl van der Pluijm

Musik:

aus Suite Nr. 3, C-Dur und Nr. 4, Es-Dur für Violoncello solo

Lichtdesign:

Achim Wassong

Tänzerin:

Annamirl van der Pluijm



Annamirl van der Pluijm, ausgebildet an der Tanzakademie in Rotterdam, war Darstellerin beim belgischen Theatermacher Jan Fabre und bei der deutschen Choreografin Reinhild Hoffmann, bevor sie 1992 mit eigenen Soloarbeiten begann. Aufgrund ihrer faszinierenden Bühnenpräsenz gastiert sie erfolgreich in vielen Städten Europas, so mit »Solo P.«, einer Hommage à Henry Purcell (1995) und »The Other Me«, einer Analyse ihres eigenen Ichs (1998).

»Solo M.« wurde von Martha Graham, der »Grande Dame« des modernen Tanzes, inspiriert. Annamirl van der Pluijm verarbeitet einige von deren typischen abstrahierenden Bewegungen auf sehr persönlich Weise.


Uraufführung: 10.11.1994, Lissabon
Produktion: Kunst-Werk, Antwerpen / Culturgest, Lissabon



3. Compagnie Déjà Donné, Prag


»Suspicious Love«

(»Misstrauische Liebe«)

Deutschlandpremiere



Choreografie:

Simone Sandroni

Musik:

Präludium und Fuge, C-Dur und aus Brandenburgisches Konzert Nr. 3, G-Dur

Lichtdesign:

Simone Sandroni, Jan Beneš

Tänzer:

Anna Caunerová, Monika Caunerová, Eva Lacková, Eva Klimácková, Jozef Fruček, Ján Gonščák, Jaroslav Viňarský



Simone Sandroni war 1987-92 Mitglied der belgischen Comapagnie Ultima Vez, geleitet von Wim Vandekeybus. 1992 verließ er diese Truppe und gründete seine eigene Compagnie Ernesto in Brüssel, die in mehreren Ländern Europas gastierte. Gemeinsam mit der tschechischen Choreografin Lenka Flory rief er 1996 in Prag die Compagnie Déjà Donné ins Leben, daneben arbeitet er als Choreograf und Tänzer auch mit der italienischen Associazione Sosta Palmizi zusammen. Sandroni liebt in seinen Choreografien die Extreme, so im Körperfall, in Geschwindigkeit und individueller Improvisation.


Uraufführung: 21.03.1997, Bratislava
Produktion: Déjà Donné, Prag



4. Frey Faust, New York


»Loose Leaf«

(»Herabfallendes Blatt«)




Choreografie:

Frey Faust

Musik:

aus »Goldberg-Variationen«

Kostüme:

Marie-Jo Gebel

Tänzer:

Frey Faust



Frey Faust stammt aus Kalifornien. Er absolvierte eine Ausbildung in Pantomime, Akrobatik, Jazztanz, Ballett und Bühnenkampf an der Schule von Marcel Marceau in Paris, später kamen Kontakt-Improvisation, Aikido und Afro Haitian Dance hinzu. Zurückgekehrt in seine Heimat, arbeitete er mit bekannten Choreografen, z.B. Merce Cunningham und Stephen Petronio, zusammen. Dann lebte er mehrere Jahre in Düsseldorf und schuf zahlreiche Choreografien vom Solo bis hin zum Gruppenstück. Seit kurzer Zeit lebt er wieder in den USA.

Die »Aria mit 30 Veränderungen«, die so genannten »Goldberg-Variationen«, sind ein Werk hohen geistigen und technischen Anspruchs. Bach schuf sie 1742 in Leipzig für den Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, den russischen Gesandten am Dresdner Hof. Dieser bat ihn um eine Komposition für seinen Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg, der ihm nachts bei Schlaflosigkeit vorspielen sollte. Goldberg war auch ein Schüler von Bach.


Uraufführung: 1992, Düsseldorf
Produktion: Ardent Body Communications Dance Co., Berlin



5. Ina Rager, Wien


»Bella«

Deutschlandpremiere



Konzeption, Choreografie, Bühne und Kostüm:

Ina Rager

Inszenierung:

Michael Halbig

Musik:

John Lurie »Bella by Barlight« und Johann Sebastian Bach, aus »Goldberg-Variationen«

Tänzerin:

Ina Rager



Ina Rager wurde 1969 in Salzburg geboren. Sie erhielt seit 1984 ihre Ausbildung in Salzburg, Wien und Kopenhagen in verschiedenen Techniken des zeitgenössischen Tanzes, Butoh, ethnischem Tanz und Performance. Seit 1990 war sie Straßenperformerin in vielen europäischen Städten und Asien und wirkte in zahlreichen Produktionen, z. B. beim Serapionstheater und beim Tanz*Hotel in Wien und beim Tanztheater Ikarus in Klagenfurt mit. Sie unterrichtet physisches Theater in Wien und Kopenhagen. Seit 1993 schuf sie mehrere eigene Stücke und gastierte mit »Bella« auf Festivals in Graz, Wien, Kärnten und Klagenfurt. Leipzig ist ihr erster Gastspielort im Ausland.


Uraufführung: 20.11.1993, Wien
Produktion: Ina Rager, Wien / WUK-Festival »Spätschicht«, Wien



6. Black Blanc Beur, Paris


»Lambarena«




Choreografie:

Christine Coudun

Musik:

Hugues de Courson & Pierre Akendengué (Collage: Johann Sebastian Bach und afrikanische Musik)

Lichtdesign:

Pol Brengel

Kostüme:

Patricia Ascensio

Tänzer:

Sylvain Aupra, Marilyn Berry, Iffra Dia, Richard M'Passi



Black Blanc Beur, »eine der aufregendsten Tanzcompagnien Frankreichs« (Pia Kurz, Frankfurter Neue Presse, 20.12.1997), begann ihre Hip-Hop Erfolgsgeschichte auf den Straßen der Pariser Vorstädte. Dort trafen sich Mitte der 80er Jahre die Kids – Schwarze (engl. black), Weiße (frz. blanc) und Beurs, wie die Kinder algerischer Einwanderer genannt werden. Jean Djemad holte die Tanzwütigen von der Straße auf die Bühne und leitet die Compagnie noch heute.

In »Lambarena« spüren vier Tänzer mitreißend ihren eigenen kulturellen Wurzeln nach. »Lambaréne« ist der Ort in Gabun/Zentralafrika, in dem Albert Schweitzer als Tropenarzt ab 1913 bis zu seinem Tod 1965 ein Krankenhaus leitete. (Er schrieb ein Buch über Bach und spielte sehr gut Orgel.) »Lambarena« – Synonym für das Miteinander von Kulturen, musikalisch frappierend geglückt in der Harmonie Bachs mit afrikanischen Klängen.


Uraufführung: 11.01.1997, Elancourt-Paris
Produktion: Le Prisme, Elancourt-Paris / DRAC, Ile de France

Mit freundlicher Unterstützung von Association Française d’Action Artistique-Ministère des Affaires Etrangères, Paris.