07. Festival 1997

Hauptprogramm


Samstag 15. Nov. // 19.30 – 21.00 Uhr
Sonntag 16. Nov. // 16.00 – 17.30 Uhr
agra Messepark / Halle 2

Compagnie Victoria, Gent


»Bernadetje«

Stück von Alain Platel und Arne Sierens



Text und Inszenierung:

Arne Sierens

Inszenierung und Choreografie:

Alain Platel

Bühnenbild:

Pol Heyvaert

Kostüme:

Pynoo

Technische Leitung:

Philippe Digneffe

Darsteller:

Lies Pauwels (Pascaline), Dirk Pauwels (Jackie), An Pierlé (Kelly), Frederik Debrock (Yves), Magdalena Przybylek (Tamara), Titus Devoogdt (Ratte), Charlie Martens (Gino), Hakim Boulyou/Simon Dhanens (Angelo), Anna Buyssens/Laura Neyskens (Francesca), Seline de Cloet/Hannelore Vanheerswynghels (Cocquyt), Melanie Nunes/NejIa Yilmaz (Jessica)

Für Jugendliche (ab 12 Jahre) und Erwachsene

In flämischer Sprache mit deutscher Übertitelung



Rockmusik dröhnt, Neonlicht blitzt, Autoskooter rasen. Rummelplatz in Las Vegas, je lauter und greller es wird, umso weniger redet man, ein Rausch, der endlos zu sein scheint. Und dann plötzlich: Stille und eine langsame Arie von Bach. Die Lenkstange gibt Halt und ähnelt einem Kreuz, das Auto wird zur Arche Noah, das die Menschen sicher ans Ziel geleitet.

Für Alain Platel war Lourdes, einer der größten Pilgerorte der Christenheit, für sein »Bernadetje«-Stück nicht wirklich Thema, sondern nur ideelle Anregung: Rockkonzerte und Kirmes bieten wie Religion und Kirche die Flucht aus dem Alltag, aber auch menschliche Gemeinschaft und Stütze. Love Parade und Pilgerzug sind so verschieden nicht. Und mitten in einer ganz normalen Familie ein kleines, weiß gekleidetes Mädchen, das Bernadette Soubirous aus dem südfranzösischen Lourdes verdammt ähnlich sieht.

Platel arbeitete bei »Bernadetje«, wie schon bei »Mutter und Kind« (1995), mit dem bekannten Schriftsteller Arne Sierens zusammen. »Bernadetje« entwickelte sich zum Kultstück und erhielt Einladungen zu Festivals und in Städte nach ganz Europa, genannt seien nur Paris, Amsterdam, Newcastle, Salzburg, Marseille und Avignon.

Das Zusammenwirken von szenischer Experimentierfreude, sozialem Engagement und berührender Menschlichkeit machen Alain Platel, geboren 1956 in Gent, zu einer Ausnahmeerscheinung des modernen europäischen Theaters. Nach »La tristeza cómplice« (»Die Traurigkeit teilen«) mit der Compagnie Les Ballets C. de la B. 1996 ist nun zum zweiten Mal eine Produktion von ihm bei der euro-scene Leipzig zu sehen.


Uraufführung: 03.10.1996, Gent

Produktion: Victoria, Gent – Kulturvertreter von Flandern

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch Ministerie van de Vlaamse Gemeenschap (Flämisch Regierung), Brüssel.