07. Festival 1997

Hauptprogramm


Dienstag 11. Nov. // 19.30 – 22.00 Uhr
Schauspielhaus

Festivaleröffnung

Socìetas Raffaello Sanzio, Cesena


»Giulio Cesare«

(»Julius Caesar«)

Stück nach William Shakespeare und Plutarch, Tacitus, Sueton, Tranquillo, Cassius Dio, Appian, Julius Caesar, Dante, Konstantin Stanislawski



Stückfassung und Inszenierung:

Romeo Castellucci

Bühnenbild:

Paolo Guidi

Kostüme:

Chiara Bocchini

Technische Leitung:

Pierre Houben

Italienische Übersetzung:

Alfredo Obertello

Darsteller:

Alvaro Biserna (Julius Ceasar), Giovanni Rossetti (Brutus), Lele Biagi (Cassius), Elèna Bagaloni (Brutus, II. Akt), Cristina Bertini (Cassius, II. Akt), Dalmazio Masini (Antonius), lvan Salomoni (Cicero), Adam Peter Brien (... vskij)

In italienischer Sprache (Die deutsche Textfassung ist mit dem Kartenvorverkauf und an der Abendkasse erhältlich.)



Verbrannte Erde oder ein abgebranntes Theater? Ein Sockel, auf dem Herrscher immer zu Monumenten erstarren. Schillernde Reden verkleistern Machtanspruch und verbergen inhaltliche Leere, deren wirkliche Stimme tonlos ist. Worte als Überzeugungskunst – in Propaganda, militärischer und wirtschaftlicher Korruption und im Theater.

Auch Politik ist Theaterspiel, doch deren Folgen münden in Auszehrung und Tod, aus dem kein Beifall auferstehen lässt. Caesar wurde tatsächlich im Pompejus-Theater ermordet – noch heute kann man in Rom einige Steine davon sehen. Endet Rhetorik dort, wo Theater anfängt? Beginnt Theater dort, wo Rhetorik beginnt?

Brutus ermordet Julius Caesar, seinen besten Freund. Aus der hohen ethischen Überzeugung heraus, dass tyrannische Einzelmacht das Gemeinwohl und die Freiheit nicht gefährden dürfe, begeht er die Tat. Doch er versäumt es, das Volk als Kraft einzubeziehen. Wie sein Mitverschwörer Cassius entzieht sich Brutus schließlich der Gefangenschaft durch Selbstmord. Marcus Antonius, ein Aufsteiger aus der Masse und fähig diese zu beherrschen, ist ein vollendeter Schauspieler. Er reißt die Macht an sich, ehe ihn der nächste Herrscher verdrängen wird …

Romeo Castellucci, 1960 in Cesena bei Bologna geboren, ist der künstlerische Leiter der von ihm 1981 gegründeten Socìetas Raffaello Sanzio, heute mit Abstand die radikalste Compagnie des italienischen Gegenwartstheaters. William Shakespeares Drama »Julius Caesar« von 1599 ist Reflektion elisabethanischer Wirklichkeit. Castellucci kristallisiert in Fragmenten des Shakespeare-Stücks frappierende Parallelen eines großen Kapitels eigener italienischer Geschichte zu unserer Zeit heraus. Die Aufführung wurde bei den Wiener Festwochen im Mai 1997 als Höhepunkt gefeiert.


Uraufführung: 05.03.1997, Prato

Produktion: Socìetas Raffaello Sanzio / Wiener Festwochen / Kunsten Festival des
Arts 1998, Brüssel / Teatro Bonci, Cesena

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch lnstituto ltaliano di Cultura, Berlin.