07. Festival 1997

Hauptprogramm

Sonntag 16. Nov. // 19.30 – 21.15 Uhr
Schauspielhaus

Festivalabschluss

Compagnie Olga Roriz, Lissabon


»Propriedade privada«

(»Privatbesitz«)

Tanztheaterstück von Olga Roriz

Deutschlandpremiere



Inszenierung, Choreografie und Kostüme:

Olga Roriz

Musikcollage:

Ludger Lamers

Bühnenbild:

Joao Mendes Ribeiro

Lichtdesign:

Clementa Cuba

Tänzer:

Sónia Aragao, Luis Carolino, Ludger Lamers, Fabrizio Pazzaglia, Suzana Queiroz, Carla Ribeiro, Lina Santos



In einer Mauer öffnen sich Fenster, Körperteile erscheinen. Sozialwohnungen einer Großstadt – oder innerer Zwiespalt der Menschen? In den ärmeren Vierteln geht es um Alkohol, Gewalt, Sex und Drogen, doch dahinter verbergen sich Träume und Illusionen. Dieses Dasein besteht aus Angst und Schmerz, der gierigen Sehnsucht nach Leben, das hinter der Fassade des Reichtums in Langeweile und sinnlosem Nichtstun erstarrt.

»Das Verbrechen besteht darin, Seidenkleider auf Steinkörpern zu tragen, das Gesicht so vom Übel wegzudrehen, dass es nicht sichtbar wird. Das Verbrechen besteht darin, nicht zu weinen, nicht zu leiden, sich nicht vor dem Sterben oder Sterbenlassen zu fürchten. Es besteht darin, Gemeinheit, Krankheit und Hunger beiseite zu schieben und darin, unseren Zielen untreu zu werden, zu vergessen, wer wir sind und was wir tun« (Olga Roriz).

Die moderne portugiesische Tanzszene ist derzeit eine der kraftvollsten in Europa. Mit starkem Temperament und thematischem Zeitbezug unterscheidet sie sich von mancher Beschränkung westlicher Ästhetik auf rein formale Strukturen. Olga Roriz, in Viana do Castelo im Nordwesten Portugals geboren, gehört zu den führenden Choreografen des Landes. Nach fundierter Tanzausbildung war sie 1976-92 im berühmten Gulbenkian-Ballett in Lissabon engagiert. Aus dessen gepflegt-neoklassischen Stil suchte sie ab 1983 einen Weg durch eigene Choreografien und gründete schließlich 1995 ihre eigene Compagnie.

Olga Roriz schuf bisher über 20 Bühnenstücke, von denen »Hunting Scenes« (Jagdszenen, 1993), »Finis Terra« und »Cold Hands« (Kalte Hände, beide 1994) genannt seien. Ihre Choreografien wurden in zahlreichen Städten Europas und auf internationale Festivals eingeladen sowie mit mehreren ersten Preisen, so in Osaka, London, und Tel Aviv, ausgezeichnet.


Uraufführung: 26.07.1996, Porto

Produktion: Compagnie Olga Roriz, Lissabon / Teatro National S. João, Porto / Fundação das Descobertas

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch die Portugiesische Botschaft, Bonn / Kulturministerium Lissabon.