07. Festival 1997

Hauptprogramm


Mittwoch 12. Nov. und Donnerstag 13. Nov. // 22.00 – 23.30 Uhr
Schaubühne Lindenfels


Deutschland-Projekt Teil II

Compagnie Jo Fabian, Berlin


»Pax Germania«

Stück von Jo Fabian



Konzeption, Inszenierung, Bühnenbild und Lichtdesign:

Jo Fabian

Musik und Ton:

Ralf Krause

Video:

Nico Felden

Darsteller:

Ralph Boock, Marina Esser, Jörg Jüsche, Ralf Kittler, Paula E. Paul, Herbert Schöberl, Kai-Brit Schrader, Jörg Steinberg

Im Anschluss an die Vorstellung am 12. Nov. findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderator: Manfred Weber, Intendant Kleist-Theater, Frankfurt/Oder



Die Geschichte ist über einen Teil der Menschen hinweggefegt, und der Rest will der darin befindlichen Selbstvernichtung durch Geschichtsvernichtung entgehen. Die Entdeckung der Selbstvernichtung mit bloßem Auge: Deutscher Reichtum ist Vergangenheit, deutsche Einheit ist Ideologie, deutscher Friede ist ein Verbrechen.

Das sozialistische Ausmaß einer Utopie vom Überleben hat eine historische Korrektur erfahren, wodurch wir der Realität einer asozialen Gesellschaft zwar näher gerückt sind, aber wir scheinen uns von der ursprünglichen Aufgabe des Lebens, dem Erhalt unserer Art, weiter entfernt zu haben ... Der Erforschung unseres Daseins nach einem Sinn steht die perfekte Ablenkung von dieser Aufgabe gegenüber ...

Wenn es kein Recht auf Überleben mehr gibt, ist der Diebstahl fremden Lebens zur Erhaltung des eigenen eine vernünftige Sache. Wenn der Wert des Überlebens abhängt von Geld, Vorteil und persönlicher Sicherheit, ist der Diebstahl von Geld, Vorteil und persönlicher Sicherheit zur Erhaltung der eigenen eine vernünftige Sache. Wenn die Vernichtung fremder Kulturen zur Erhaltung der eigenen Kultur eine vernünftige Sache wird, sind wir Mörder. Wenn die Vernichtung der eigenen Kultur zur Erhaltung der eigenen Sicherheit eine vernünftige Sache wird, sind wir bereits Selbstmörder« (Jo Fabian).

Wie stark die Prägungen der Herkunftsgesellschaften Ost und West (noch) sind, mit welcher Tendenz sich das Verhältnis der unterschiedlichen Perspektiven entwickelt – das Deutschland-Doppelprojekt, uraufgeführt während der Berliner Festwochen am 19. September, wird eine scharfe Diagnose der deutschen Zustände im Herbst 1997 liefern.

Jo Fabian, 1960 geboren, war nach seiner Schauspielausbildung in Rostock an Theatern in Gera und Meiningen engagiert. Seit 1987 arbeitet er als freier Regisseur und Autor und gründete 1989 die Compagnie example dept., die 1994 mit seinem Stück »Whisky & Flags« auch bei der euro-scene Leipzig gastierte. Neben seinen freien Regiearbeiten vor allem in Berlin inszenierte er als Gast an Staats- und Stadttheatern in Leipzig (»Shite Samurai«, 1991), Dessau, Cottbus, Frankfurt/Oder und Tübingen.


Deutschland-Projekt
Konzept und Koordination: Henning Fülle

Produktion: Hebbel-Theater Berlin in Zusammenarbeit mit dem Theater am Halleschen Ufer Berlin / Kampnagel Hamburg

Die beiden Gastspiele erfolgen mit freundlicher Unterstützung durch Berliner Festspiele / Kulturbehörde Hamburg / des Theaters im Pumpenhaus, Münster / dem Siemens Kulturprogramm, München, gefördert durch die Kulturstiftung der Länder aus Mitteln des Bundesministerium des Innern.