06. Festival 1996

Hauptprogramm


Samstag 23. Nov. // 22.00 – 23.00 Uhr
Sonntag 24. Nov. // 17.00 – 18.00 Uhr
Kellertheater

Compagnie Pál Regös, Budapest


»Lélekbörtön«

(»Seelenkerker«)

Bewegungsdrama nach dem Tagebuch »Ich will kein inmich mehr sein –
botschaften aus einem autistischen Kerker« von Birger Sellin

Deutschlandpremiere



Konzeption, Inszenierung und Choreografie:

Pál Regös

Musik:

Robert Julian Horky

Bühnenbild:

Margit Balla

Kostüme:

Kata Poór

Lichtdesign:

Gábor Tamás

Darsteller:

Pál Regös (der Mann), Gabriella Salz (die Frau)

Die Musik wird eingespielt.



»ich bin nur eine ohnemichgestalt die aus der dunkelheit der autistenwelt herausgetreten ist um mit menschenweltlern ihrer art kontakt aufzunehmen – ich kann aber nicht teilhaben an ihrem leben weil meine weit mich noch gefangenhält – ich suche noch immer den weg hinaus zu ihnen« (Birger Sellin).

Birger Sellin ist seit seinem zweiten Lebensjahr schwer autistisch behindert. 1973 in (West-)Berlin geboren, fand er nach 17 Jahren Schweigen die Möglichkeit, sich mit Hilfe des Computers schriftlich zu äußern. Seine Texte sind in ihrer Ehrlichkeit, Gefühlstiefe und Erkenntnishaftigkeit geradezu erschütternd. Ihre Publikation im Jahr 1993 wurde zum internationalen Bestseller.

Die Ängste und die Einsamkeit des Jungen übten auf den ungarischen Mimen Pál Regös eine starke Wirkung aus. Ein Autist findet aus seinem Kerker aufgrund des eigenen Unvermögens nicht heraus, wir verschließen unsere Gefühle und Triebe wissentlich. Die Welt unserer inneren Stimme bleibt im Alltag oft ungehört, und eine wirkliche Beziehung zu den uns umgebenden Menschen haben wir verlernt. Dieser Kranke könnte uns lehren, sensibler auf eigene Krankheiten zu reagieren.

Pál Regös, ausgebildet u. a. von Marcel Marceau, gehört zu den großen Mimen Europas. Als Solodarsteller und Workshopleiter arbeitet er heute in zahlreichen Ländern. Regös verkörpert im fortgeschrittenen Alter den jungen Birger, die junge Gabriella Salz ist nicht nur seine Mutter, sondern Sehnsucht und Madonna. So erhalten Personen und Zeiten – auch durch die meditative Musik des Wieners Robert Julian Horky – eine weitreichende Bedeutung.


Produktion: Compagnie Pál Regös, Budapest / Szkéné Theater Budapest (Premiere 1996)