06. Festival 1996

Hauptprogramm


Samstag 23. Nov. // 22.00 – 00.30 Uhr
Sonntag 24. Nov. // 16.00 – 18.30 Uhr
Neue Szene

Orphtheater, Berlin


»Warten auf Godot« & »Quixote«

Doppelprojekt nach Samuel Beckett und Miguel de Cervantes



Inszenierung:

Susanne Truckenbrodt

Bühnenbild und Kostüme:

Hans Hugo Ellerfeld



I. »Warten auf Godot«

Stück von Samuel Beckett

Deutsche Übersetzung aus dem Französischen:

Elmar Tophoven

Musik:

Trötsch

Lichtdesign:

Hennig Streck

Darsteller:

Matthias Horn, Uwe Schmieder



II. »Quixote«

Stück nach Miguel de Cervantes

Stückfassung:

Susanne Truckenbrodt

Lichtdesign:

Matthias Schäfer

Darsteller:

Matthias Horn, Uwe Schmieder, Kathleen Monden, Antje Görner



Zwei Figuren, umhüllt von einem weißen Tuch, das bis auf den Boden reicht, bleiben starr, bis das Licht wechselt, und sprechen dann leise die ersten Zeilen von Beckett. Man wartet. Auf Godot. Die beiden Vagabunden Wladimir und Estragon erhoffen sich von der Ankunft Godots die Beantwortung all ihrer Fragen und die Erfüllung all ihrer Wünsche. Und so warten sie, auf menschenleerer Landstraße, jeden Tag aufs Neue.

»Warten auf Godot« von Samuel Beckett, 1953 in Paris uraufgeführt, ist ein Stück Weltliteratur. Es avancierte vom rätselhaften Avantgarde-Stück zum modernen Klassiker und wird oft als Beginn des modernen Theaters überhaupt angesehen. Das Orphtheater schuf eine erfrischende, textlich gekürzte Fassung, die im originellen Rollentausch der Landstreicher mit den beiden anderen Beckett-Figuren Pozzo und Lucky auch Elemente der Commedia dell'arte einbringt.

Quixote wartet nicht, sondern will die Welt verändern. Der ewig irrende Ritter steht in seiner Menschlichkeit und seinem Glauben an eine Wahrheit als Einzelkämpfer der ungläubigen Welt gegenüber. Ursprünglichkeit und die Kraft zur Aufopferung sind ein Hoffnungsschimmer in unserer Zeit der verlorenen Illusionen.

Das Orphtheater Berlin ist derzeit eine der wenigen freien, professionellen Theatergruppen Ostdeutschlands von überregionaler Bedeutung. Es wurde 1990 gegründet und sucht Alternativen zu konventionellen Theaterformen. Seine Produktionen hinterfragen kritisch die gesellschaftlichen Strukturen und suchen Lebensmöglichkeiten. Das Orphtheater gastierte auf zahlreichen Festivals im In- und Ausland. Die beziehungsreiche Fortführung von »Warten auf Godot« (Premiere 1995) mit »Quixote« (Premiere 1996) kommt als Doppelprojekt zur euro-scene Leipzig erstmals zur Aufführung.