06. Festival 1996

Hauptprogramm


Sonntag 24. Nov. // 19.30 – 20.45 Uhr
Schauspielhaus

Festivalabschluss

Compagnie Mathilde Monnier, Montpellier


»Nuit«

(»Nacht«)

Tanzstück

Deutschlandpremiere



Choreografie:

Mathilde Monnier

Musik:

John Cage, Benoît Delbecq, Christophe Séchet; traditionelle Musik aus Bali

Bühnenbild:

Annie Tolleter

Kostüme:

Beverly Semmes

Lichtdesign:

Eric Wurtz

Tänzer:

Lluis Ayet, Seydou Boro, Germana Civera, Herman Diephuis, Corinne Garcia, Rita Quaglia, Bruno de Saint Chaffray, Eszter Salamon, Salia Sanon

Die Musik wird eingespielt.



Eigentümliche Gestalten schälen sich langsam aus der Dunkelheit hervor. Das Auge hatte sich schon an das Schwarz gewöhnt, umso intensiver nimmt es jetzt das Licht und die Farben wahr. Die Figuren scheinen weniger leibhaftige Personen als Traumbilder zu sein, die sich der Szene immer stärker bemächtigen und beinahe hypnotisch in unser Innerstes dringen.

»Ich habe die Augen lange geschlossen, um sie besser öffnen zu können. Bisher habe ich geglaubt zu sehen, aber ich sah nichts... Aus welcher Dunkelheit kommen wir? Nun habe ich die dunkle Nacht beobachtet, da begann das Licht, Seite für Seite an mir vorüber zu ziehen. Leider bewege ich mich immer, das Licht fällt herab. Hin und zurück ging ich durch eine innere Nacht, ein Spaziergang in der Dichte des Raumes, wo der Tanz nur sich selbst braucht und den Blick des anderen« (Matthilde Monnier).

Diese Gedanken von Mathilde Monnier möchte etwas von der Poesie ihres Tanzstücks »Nuit« (»Nacht«) vermitteln. Zahlreiche Bedeutungen birgt die Nacht in sich, wobei die reale Tageszeit nur als Ausgangspunkt einer Reise zu verstehen ist, bei der sich die Sinne schärfen, Unbewusstes bewusst wird und das Schwarz als die schillerndste Farbe überhaupt empfunden werden kann. Sind nicht auch die Beziehungen der Menschen untereinander im Licht stärker von nächtlicher Kälte geprägt als im Dunkel? Ein Wechselspiel zwischen Zufall und Zerfall, Leere und Angst, dem Wesen und dem Wesentlichen, zwischen Aufleuchten und Verlöschen.

Mathilde Monnier gilt als eine Ausnahmegestalt der französischen Tanzszene. Ausgebildet vor allem von Viola Farber und Jean-François Duroure, schafft sie dichte, experimentelle Werke, die 1993 in »Für Antigone« nach antiker Vorlage im Zusammenprall von europäischer und afrikanischer Kultur gipfeln. Seit 1993 leitet sie das Nationale Choreografie-Zentrum im südfranzösischen Montpellier. 1996 war Mathilde Monnier zur Ehrenpräsidentin der »Rencontres Chorégraphiques Internationales de Bagnolet/Seine Saint-Denis«, des alle zwei Jahre stattfindenden bedeutendsten internationalen Choreografie-Wettbewerbs bei Paris, berufen worden.


Produktion: Centre Chorégraphique National de Montpellier Languedoc Roussillon / Montpellier danse 95 / Théâtre de la Ville, Paris / La Coursive-Scène Nationale, La Rochelle / L'Esplanade-Opéra, Saint-Etienne (Premiere 1995)