05. Festival 1995

Hauptprogramm


Dienstag 07. Nov. // 19.30 – 20.30 Uhr
Haus Dreilinden (Musikalische Komödie)

Tanztheater des Deutschen Nationaltheaters Weimar


»Orestie«

Ein Tanztheaterstück



Choreografie:

Joachim Schlömer

Musik:

lannis Xenakis, »Oresteϊa«

Musiker:

Spiros Sakkas (Bariton), Sylvio Gualda (Schlagzeug), Michel Tabachnik (Dirigent)

Bühnenbild und Kostüme:

Frank Leimbach

Licht:

Gudrun Westermeier, Frank Sobotta

Tänzer:

Georg Lenhart (Agamemnon), Doris Lamatsch (Kassandra), Norbert Steinwarz (Orest, Chorführer), Olivia Maridjan-Koop (Elektra), Paula Moreira (Klytämnestra), Johannes Kasperczyk (Ägisth), Maria Pires (Athena), Ensemble (Erinnyen, Chor)

Die Musik wird eingespielt.

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Frank Leimbach, Ausstatter, Weimar



»Der Mann wagt Avantgarde. Und Tempo. Und das ausgerechnet im beschaulichen Weimar, wo man sich seit Jahr und Tag auf das Hofieren und Zähmen von Künstlern versteht, auf dass die Provinzruhe nicht gestört werde« (Ralph Gambihler, Leipziger Volkszeitung, 30.05.1995).


Joachim Schlömer ist die derzeit größte Hoffnung der deutschen Choreografie. Bei ihm dauert die »Orestie«, das dreiteilige Meisterwerk der griechischen Antike von Aischylos aus dem Jahre 458 v. Chr., ganze 65 Minuten. Die Musik stammt von dem griechischen Komponisten lannis Xenakis, für eine Inszenierung des Aischylos-Stückes 1966 geschrieben. Schlömer, geboren 1962, studierte an der Essener Folkwangschule Tanz und Kompositionstechnik. 1991 wurde er Ballettdirektor am Ulmer Theater, seit 1994 ist er am Deutschen Nationaltheater Weimar engagiert. »Orestie« wurde 1993 in Ulm uraufgeführt und 1995 in Weimar neu einstudiert. Schlömer choreografierte auch in den USA für den Weltstar Michail Baryschnikow.

Eine Menschheitstragödie im Zeitraffertempo, holzschnittartig, symbolgetränkt, dekadent, angefüllt mit glutvollen Leidenschaften und Farben. Als seltsame Mischung aus Kulturen Europas, Asiens und Ägyptens, von griechischen Reliefs angeregt und in der Symbiose von stilisierenden und gleichzeitig hochtheatralischen Momenten übt die Aufführung eine solch starke Suggestion aus, dass man am Ende meint, dies sei erst ihr Beginn gewesen.

Agamemnon kehrt siegreich aus dem Krieg heim und bringt in seinem Gefolge Kassandra, seine Geliebte, mit. Er und Kassandra werden von seiner Frau Klytämnestra, die in seiner Abwesenheit Ägisth zu ihrem Geliebten gemacht hat, umgebracht. Orest, der Sohn Agamemnons und Bruder Elektras, rächt den Vater, indem er die Mutter und ihren Geliebten tötet. Die Schuld, die er auf sich geladen hat, treibt ihn in den Wahnsinn. Es kommt zur Abwägung zwischen Gattenmord und Muttermord. Die Göttin Athena, Schutzgöttin der Stadt Athen, gibt mit ihrer Stimme den Ausschlag für den Freispruch Orests gegen den Willen der Erinnyen – Rachegeister.