05. Festival 1995

Hauptprogramm


Samstag 04. Nov. // 19.30 – 21.00 Uhr
Schauspielhaus

Festivaleröffnung

Compagnie Raande-Vo, Stockholm


»Ett, paradis, trängt«

(»Ein bedrohtes Paradies«)

Tanzstück in zwei Teilen

Deutschlandpremiere



Choreografie:

Lena Josefsson

Musik:

Apostolos Dimitrakoupoulos, Olov Helge

Bühnenbild:

Lena Lundström

Kostüme:

Anna Nyberg, Kid Jansson

Licht:

Jens Sethzman

Technische Leitung:

Lars Öster

Tänzer:

Mats Garpendahl, Per-Inge Janérus, Madeleine Karlsson, Ulrika Liljedahl, Vidar Maggasson, Pipsa Poukka

Die Musik wird eingespielt



Noch bestimmt Harmonie das Zusammenleben. Im Ursprung lag das Glück in der Unberührtheit und Naturverbundenheit. Es scheint, als ob Tiere und Menschen damals noch eins waren in einem Paradies voll tiefen Friedens. Erinnerung oder Traum, Bewusstsein oder Magie? Ein innerer Urzustand vielleicht, der im Laufe von Jahrhunderten langsam in Vergessenheit geriet, ähnlich antiker Stätten alter Kulturen, die – vom Geröll verschüttet und vom Gras bewachsen – aus dem Bewusstsein entschwanden.

Aus den tierhaften Lebewesen wurden zivilisierte Menschen, fleißig und strebsam, ein hektischer Rhythmus bestimmt ihr Dasein. Nach fest gefügten Mustern läuft der Tag ab, und nur wenig Raum bleibt für Individualität. Doch plötzlich leuchten Farben auf, ertönen Laute aus einer längst vergangenen Zeit, ähnlich dem Auffinden einer Skulptur, eines Torsos, Erinnerungen wachrufend an eine frühere Kultur. Das Paradies ist bedroht, doch nicht verloren, solange wir noch Sensibilität besitzen, die Zeichen von außen und in uns selbst zu deuten.

Die Gedichtsammlung »Ett, paradis, trängt« (»Ein bedrohtes Paradies«) von Arne Johnsson war die titelgebende Inspirationsquelle für das Bühnenwerk von Lena Josefsson, das im März 1995 in Stockholm uraufgeführt wurde. Lena Josefsson ist eine der interessantesten jüngeren Choreografen-Persönlichkeiten Schwedens, die in »Ein bedrohtes Paradies« brisante Fragen unserer Zeit höchst poetisch und in einer sehr individuellen Bewegungssprache umzusetzen verstand.

Dabei spielt atmosphärisch auch der subtile Einfluss anderer Kulturen eine Rolle: Lena Josefsson wurde 1956 als Kind schwedischer Missionare in Zaire geboren und lebte dort einige Jahre. Die Erinnerung an afrikanische Tänze und Rhythmen mischen sich mit ihrer skandinavischen Natur. Hinzu kommt die mehrjährige Ausbildung in modernem Tanz und Choreografie in Paris, außerdem studierte sie an der Academy of Dance in Stockholm.

Lena Josefsson gründete die Compagnie Raande-Vo im Jahre 1988, die in der Grafschaft Örebro seit 1992 beheimatet ist. Im gleichen Jahr wurde Lena Josefsson ausgewählt, Schweden beim internationalen Choreografenwettbewerb in Bagnolet/Frankreich zu vertreten. Große Tourneen führten die Compagnie durch mehrere Länder Europas und Afrikas. Das Gastspiel in Leipzig ist ihr erster Auftritt in Deutschland.


Produktion: Brigitta Ström / Frederika Rembe, Stockholm

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch Swedish Council of Culture, Stockholm