05. Festival 1995

Hauptprogramm


Mittowch 08. Nov. und Donnerstag 09. Nov. // 22.00 – 23.45 Uhr
Schaubühne Lindenfels

Mimodram-Theater, Tblissi


»Faust«

Mimisches Theaterstück in zwei Teilen

Deutschlandpremiere



Inszenierung und Choreografie:

Kacha Bakuradze

Musik:

Extreme, Depeche Mode, Kitaro, Audio, Michael Jackson, Antonio Vivaldi, Art of Noise, Carl Orff, Charles Louis Ambroise Thomas, Dance 2 Trance, Bon Jovi, Soundtrack

Bühnenbild:

Michael Gigolaschvili

Kostüme:

Stefan Oberhauser

Darsteller:

Lacha Oniani (Faust), Paata Tsikourischvili (Mephisto), Ekaterina Robackidse (Gretchen), Levan Kourtanidse, Kacha Bakuradze

Die Musik wird eingespielt.



Mephisto schultert sein Netz, mit dem er, einer böse Spinne gleich, Faust einfangen will. Die himmlischen Heerscharen müssen ihn ziehen lassen, der bekannte Pakt wird geschlossen, Gretchen wird verführt, das Schicksal nimmt seinen Lauf. Techno-Rhythmen hämmern, Orffs »Carmina burana« ertönt, ein hinreißendes Vergnügen voll Hintersinn und Spaß. Der Teufel als Maître de plaisir, als Dämon und Slapstick-Komiker zugleich – alles schon mal dagewesen? Im Schauspiel gewiss – »Im Anfang war das Wort!« Doch Goethes Meisterwerk der Sprache ohne Worte? …

Schwerlich hätte es hierzulande ein Regisseur gewagt, sich dem schwergewichtigsten aller deutschen Dramen so wortlos zu nähern wie die Mimen aus Tbilissi. Dass des Pudels Kern dabei dennoch bewahrt wird, ist eine der großen Überraschungen des Abends. Dieses Monument der Weltliteratur, diese gewaltige Ballung von Philosophie, von Bildern und Anschauungen wird dargeboten als lockeres, temporeiches Geschehen mit den Körpern und der Mimik. Feuriges georgisches Temperament paart sich mit der Lust am Spiel, und der Zusammenprall eines völlig anderen Kulturkreises mit dem bei uns traditionsbehafteten Gedankengut bringt geradewegs ein Wunderwerk an Theater zustande.

Ein Mensch zieht Bilanz: War das schon alles im Leben? Wissen erwerben, leben und arbeiten. Einer, den er selbst beschwor, bietet ihm die Möglichkeit, Jugend, Schönheit, Liebe und Reichtum kennen zu lernen. Eruptive Aktionen wechseln sekundenschnell zu Zeitlupenverzögerungen oder lebenden Bildern. Der erste Teil des Stücks bezieht in die neuen Möglichkeiten mimischer Darstellung bewusst auch Elemente der traditionellen Pantomime ein. Überhöhung und Verfremdung bestimmen den zweiten Teil, der die Welt des Amüsements, der Hexen, des Reichtums und der Antike, den Drang nach neuen Erkenntnissen andeutet. Der Maskenzug, die Begegnung mit Helena, das große Dammprojekt sind erahnbar.

Das Mimodram-Theater ging aus dem Kernensemble des renommierten staatlichen Pantomimetheaters Tbilissi hervor. Nach den politischen Veränderungen in Georgien beschlossen die fünf jungen Künstler 1993 eigene Wege zu gehen und gründeten das Mimodram-Theater als erste freie Theatergruppe Georgiens. Ekaterina Robackidse war Tänzerin im Ballett der staatlichen Oper Tbilissi und trat der Truppe 1995 bei. Die hochtalentierten, mehrfach ausgezeichneten Künstler erhalten bei den schwierigen Verhältnissen in der Heimat von ihrer Partnerstadt Saarbrücken tatkräftige Unterstützung. Das Mimodram-Theater gehört mittlerweile zur international gefeierten Spitze des mimischen Bewegungstheaters und gastiert erstmals in den neuen Bundesländern.


Produktion: Mimodram-Theater / Landeshauptstadt Saarbrücken

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch Peugeot Talbot Deutschland GmbH.