05. Festival 1995

Hauptprogramm


Donnerstag 09. Nov. // 19.30 – 20.45 Uhr
Schauspielhaus

Festivalabschluss

Man Act, Cardiff


»The Sweatlodge«

Bewegungstheater

Deutschlandpremiere



Konzeption, Inszenierung und Direktion:

Philipp Mackenzie, Simon Thorne

Musik und Arrangements:

Simon Thorne

Licht:

Trevor Turton

Ton:

Steve Wright

Darsteller:

Toni Abbatista, Mike Ashcroft, Steve Fischer, Robert Gardner, Lee Powell, Marc Rees, Pedro Sandiford, Toby Sawyer, Gerald Tyler, Simon Thorne, Lee Warburton, James Wilson

Musiker:

Spontaneous Tongue Band: Paul Mumford (Bassgitarre), Alfredo Genovesi (Elektrogitarre), Andrew Keep (Schlagzeug)

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Klemens Wannenmacher, Künstlerischer Leiter Produktionshaus FACT, Rotterdam



Aus der Tiefe des Raumes treten Männer hervor, zwölf an der Zahl, einer nach dem anderen. Ein fahles Licht und dichte Nebelschwaden verhüllen den Raum obskurer, ominöser Verheißungen. Betonte Verlangsamung, zielsicheres Vorwärtsdrängen und gespannte Wachsamkeit entwerfen eine unsichtbare, aber allgegenwärtige strenge Regelhaftigkeit.

Später dann fegt eine Woge von Männlichkeit über die Bühne, dass einem Hören und Sehen vergehen. Wie kleine Jungen steigen die Männer in die Anzüge ihrer Väter und beginnen mit Spielen der Männlichkeit, mit den Spielen von Helden und Kriegern, Cowboys und Indianern. So entsteht eine Welt, die Gewalt verherrlicht – die Welt von James Bond. In ihr entpuppt sich der Anzug als eine Ikone der Männlichkeit, die sich durch Lautstärke ebenso äußert wie durch gekünstelten Humor.

In der indianischen Kultur bezeichnet der Begriff »sweatlodge« (wörtlich: der Wigwam des Schweißes) einen Raum, in dem besondere Initiations- und Reinigungsriten durchgeführt werden. Die Welt des Mannes ist rau, rücksichtslos, brutal und gewalttätig, ob im Sitzungssaal, auf dem Sportplatz, in der Marineeinheit oder auch im so genannten Alltag. Was ist Zivilisation, wenn das meiste von dem, was als zivilisierte menschliche Kultur gilt, sich auf der Grundlage grausamster Barbarei vollzieht, früher wie heute?

Ein Junge an der Schwelle zum Mann wird in die Welt der Erwachsenen eingeführt, die ihre Prinzipien und Praktiken wie magische Bräuche vorexerzieren. Besteht überhaupt noch eine Hoffnung, sich ihnen entziehen zu können? Die Männlichkeit der Männer in Frage zu stellen, heißt, sie zu schwächen. Warum ist es denn beunruhigender, zwei Männer zusammen tanzen als miteinander kämpfen zu sehen?

Die Compagnie Man Act ist eine der bedeutendsten und erfolgreichsten Theatergruppen Großbritanniens. Sie wurde 1985 von Phillip Mackenzie und Simon Thorne gegründet und ist in Wales beheimatet. Bei manchen ihrer Produktionen handelt es sich mehr um Sprechtheater. In »The Sweatlodge« wird nicht gesprochen, aber auch nicht im üblichen Sinne getanzt. Die Inszenierung hebt die Genres auf und stellt eine einzigartige Symbiose aus Kultstück und Rockkonzert dar. »The Sweatlodge« gehört zweifellos zu den mitreißendsten Produktionen des gegenwärtigen europäischen Theaters – wenn es in seiner unerbittlichen Konsequenz gewiss auch zum Widerspruch reizt. Man Act gastiert zum ersten Mal in den neuen Bundesländern.


Produziert von: Walter Heun / Phillip Mackenzie / Hans deVisser
Produktion: Joint Adventures, München, Koproduktion: Zürcher Theater Spektakel / Vienna Acts / K.I.T. Copenhagen International Theatre, unterstützt von: The British Council / Stadt München / Stadt Wien

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch The British Council.