05. Festival 1995

Hauptprogramm


Samstag 04. Nov. // 22.00 – 23.00 Uhr
Sonntag 05. Nov. // 17.00 – 18.00 Uhr
Kellertheater

Compagnie Fondy Duncan Centre, Prag


»… a kde je Marie?«

(»… und wo ist Maria?«)

Tanztheaterstück von Lenka Flory

Deutschlandpremiere



Choreografie und Kostüme:

Lenka Flory

Musik:

Noa, Franz Schubert, Jimmi Hendrix, Kubanisches Volkslied, Karel Gott, Johann Sebastian Bach, Franz Liszt, Petr Eben, Nina Hagen, Giuseppe Verdi (Collage: Dean Lentz)

Licht:

Petr Veleta

Tänzer:

Marta Lajnerová, Kristýna Lhotáková, Renata Smetanová, Petr Opavský, Ondřej Vajsar

Die Musik wird eingespielt.



Getrieben von der Gier nach Bekanntschaften sind die Jugendlichen unterwegs, immer auf der Suche nach Partnern. Die drei Mädchen und zwei Jungen stillen ihre Bedürfnisse und lauschen ihren Empfindungen nach, oft beschränkt sich alles auf Oberflächlichkeit und Sex. Man entgeht dem Alleinsein, doch die Einsamkeit ist nah. Ein seltsamer Hauch von Kälte und Unverständnis liegt über dem Geschehen – und seltsam vor allem ist der starke Widerspruch zu den begleitenden, süßen Klängen …

Das Lied »Ave Maria« – wer kennt es nicht? Voll schmeichelnder Töne erklingt dieses Gebet an die Jungfrau Maria, die Mutter der Barmherzigkeit und Hilfe im Leid. Der Ohrwurm »Ave Maria« – ein Musikstück, ein Choral, ein Chanson? Am Anfang stand bescheiden ein kleines Präludium für Cembalo von Johann Sebastian Bach, zu finden in seinem »Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach«, von Charles Gounod später in zärtliche Romantik oder – je nach Standpunkt – in unsäglichen Kitsch getaucht. Unzählige Bearbeitungen, auch in unserer Zeit, folgten.

Religiosität – diesem Thema weicht das moderne Theater so gut wie völlig aus. Lenka Flory ging das Risiko ein und schuf dazu einen frappierend ungewöhnlichen Tanzabend. Es gibt keine Jungfrau Maria, kein Jesuskind und keine Kirche, und dennoch wird Religiosität – zu verstehen auch als Ethik, Moral und Humanismus – hinterfragt. Das Zusammenspiel von Szene und Musik legt die Doppelbödigkeit im Verhalten der Menschen dar, ihre Lügen und Scheinheiligkeiten, ihre intimsten Wünsche, auch vom Individuellen fortführend bis hin zur Sehnsucht nach besserer Verständigung der Völker und Rassen untereinander.

Die Compagnie Fondy wurde 1993 am Duncan Centre, einem Konservatorium für modernen Tanz in Prag, gegründet und zeichnet sich durch ihre eigenwillige Suche nach stilistisch neuen Wegen aus. Lenka Flory erhielt ihre Tanzausbildung in Prag und war Mitglied in den Compagnien Ultima Vez von Wim Vandekeybus in Belgien sowie von Jutta Czurda und Immo Buhl in Deutschland. Sie choreografiert seit 1988, leitet die Compagnie Fondy und ist seit 1993 Dozentin am Duncan Centre Prag.


Produktion: Duncan Centre Prag