03. Festival 1993

Hauptprogramm


Mittwoch 17. Nov. // 22.00 – 23.00 Uhr
Donnerstag 18. Nov. // 19.30 – 20.30 Uhr und 22.00 – 23.00 Uhr
Kellertheater

Compagnie Tadashi Endo, Tokio/Göttingen


»Tengu«

Butoh-Tanz-Performance mit Horn/Trompete und Klavier



Inszenierung, Choreografie und Tanz:

Tadashi Endo

Musiker:

Itaru Oki (Horn/Trompete), Aki Takase (Klavier)



Licht streift über durchsichtige, glitzernde Folie. Eine fast nackte, kalkig-weiße Gestalt windet sich zögernd aus der Plasteumhüllung, die Schutz gewährt. Langsam und hoch konzentriert vollzieht sich die Geburt eines Wesens, das plötzlich in Zerstörungswut ausbrechend, um sich schlägt.

Tengu ist ein Berggeist aus Japans Mythologie. Gefürchtet wird sein heftiger Zorn gegen die Menschen, wenn diese sich streiten und Krieg führen. Der Butoh-Tänzer Tadashi Endo nutzt den Mythos, um die Tiefen und Ambivalenzen des menschlichen Daseins auszuschreiten.

Die Dynamik, die archaischen Gesten und die Trance des Darstellers fesseln. Bilder schlagen überraschend in ihr Gegenteil um. So rankt sich der Körper des Tänzers wie eine Pflanze empor, um momentweise Tierisches zu assoziieren. Die Wandlung des Männlichen ins Weibliche wird intensiv ausgekostet. Ahnungen über das vorgeburtliche Leben wechseln zu Zuständen von Abgestorbensein. Höhepunkte sind das Anhalten der Bewegung auf dem Gipfel der Aktion.

Der für uns so fremde Butoh ist eine rebellische Verschmelzung östlicher Bühnentraditionen mit dem europäischen Ausdrucktanz, die vor etwa dreißig Jahren in Japan entstand. Der in Peking geborene Japaner Tadashi Endo studierte Regie am Reinhardt-Seminar in Wien und arbeitete jahrelang als Schauspieler, Performer und Regisseur. Die Begegnung mit einem Stammvater des Butoh, Kazuo Ohno, der zu seinem Lehrer wurde, führte Endo zur Ausprägung seines individuellen Tanzstils.

Die begehrten japanischen Musiker, die Pianistin Aki Takase und der Jazz-Trompeter Itaru Oki, die auch durch zahlreiche Filmmusiken, CDs und Schallplatten bekannt wurden, begleiten und kontern durch ihre Improvisationen die Choreografie. Oki fasziniert besonders durch den Einsatz von zum Teil selbst konstruierten Hörnern und durch fremdartige Klänge, die er durch Holzstäbe und Glöckchen erzeugt.


»Der Kreislauf von Leben und Tod aus Erdstaub und wieder Zerfall in Staub schließt sich. Aus Nachdenklichkeit der merklich beeindruckten Zuschauer löst sich verzögert jubelnder Beifall« (Frankfurter Rundschau, 01.02.1993).


Das Gastspiel erfolgt im Rahmen des Nationalen Performance Netzes mit freundlicher Unterstützung durch Digital Equipment – das NPN wird betreut von Joint Adventures, München.