03. Festival 1993

Hauptprogramm


Sonntag 21. Nov. // 19.00 – 21.00 Uhr
Oper Leipzig

(Beitrag der Oper Leipzig in eigener Auswahl)

Festivalabschluss

Oper Leipzig


I. »Herzog Blaubarts Burg«

Oper in einem Akt

II. »Erwartung«

Monodrama



Musikalische Leitung:

Udo Zimmermann

Inszenierung:

Peter Konwitschny

Bühnenraum und Kostüme:

Helmut Brade



I. »Herzog Blaubarts Burg«

Oper in einem Akt

Musik:

Béla Bartók

Dichtung:

Béla Balázs

Deutsche Fassung nach:

Wilhelm Ziegler

Darsteller:

Tomas Möwes (Herzog Blaubart), Kristine Ciesinski (Judith), Mitglieder der Komparserie (das Kind, der Alte, die früheren Frauen)



II. »Erwartung«

Monodram

Musik:

Arnold Schönberg

Dichtung:

Marie Pappenheim

Darstellerin:

Kristine Ciesinski (Frau)

Es spielt das Gewandhausorchester Leipzig



»Herzog Blaubarts Burg« führt in die Abgründe eines innerlich einsamen, die Frauen begehrenden, faszinierenden und zerstörenden Mannes. In »Erwartung« durchlebt eine Frau ihre Hoffnungen, zärtlichen Erinnerungen und ihre bitteren Enttäuschungen. Beide Einakter sind einzigartige Meisterstücke des Musiktheaters unseres Jahrhunderts. Sie entstanden völlig unabhängig voneinander und erweisen sich, reichlich acht Jahrzehnte nach ihren Uraufführungen, als zwingend gegenwärtiger Ausdruck beklemmender Endfremdung.

Béla Bartók, der bedeutendste Komponist der Musikgeschichte Ungarns, transformierte den »Blaubart«-Stoff in ein symbolisches, poetisches, tiefenpsychologisches Werk. Die Türen, hinter die Judith gern blicken möchte, können als eine Metapher für die Herzkammern des Mannes verstanden werden. Blaubart öffnet sie ihr nur widerstrebend und leidet selbst an seiner Unfähigkeit, sich der Frau zu offenbaren.

In »Erwartung« sucht eine Frau ihren Geliebten, der sie verlassen hatte. Sie findet ihn tot im Wald – oder geschieht das nur in ihrer Einbildung? Arnold Schönberg, Österreicher von Geburt und in den USA gestorben, ist einer der wichtigsten Vertreter der Zwölftonmusik.

Udo Zimmermann gehört zu den bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. Als international begehrter Dirigent leitete er zum Beispiel die Wiener Symphoniker, das Berliner Philharmonische Orchester, das Gewandhausorchester Leipzig und die Orchester in den Opernhäusern Wien, Hamburg, München und Bonn. 1990 wurde er zum Intendanten der Oper Leipzig berufen. Peter Konwitschny ist einer der gefragtesten und auch umstrittensten Opernregisseure unseres Landes.


»Freilich war der Doppelabend auch geeignet, für die Leistungsfähigkeit der Leipziger Oper und ihr mutiges Konzept einzunehmen … Konwitschny hat … mit der Idee der Stückkopplung Ernst gemacht, indem er zumindest suggeriert, es gebe eine quasi durchlaufende gemeinsame Handlung … In seiner Spannung und Geschlossenheit ist der Abend packend und hoch animierend« (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.1992).