03. Festival 1993

Hauptprogramm


Freitag 19. Nov. // 19.30 – 20.45 Uhr
Samstag 20. Nov. // 17.00 – 18.15 Uhr und 22.00 – 23.15 Uhr
Kellertheater

Bi Ma Dance Company, Newcastle


»Retrace the Defaced«
(»Zurück zu den entstellten Wurzeln«)

Tanzstück in fünf Teilen

Deutschlandpremiere



Choreografie:

Pit Fong Loh

Musik:

Adrian Lee, Nye Parry, Peter Cusack, Yabuki Makoto

Bühnenbild:

Pit Fong Loh, Philip Bailey

Kostüme:

Ming Yam Low, Ann Tsang, Fionuala Quinn

Licht:

Naomi Matsumoto

Tänzer:

Pit Fong Loh, Ming Yam Low, Ulula Yamamoto, Michael Harry Theaker, Clyde Melville Bain



Der Beginn hat Komik. Im kantigen Lichtkegel begegnen sich nackte Füße und Waden, berühren und umhalsen sich, bilden erotische Figuren. Flache Steininseln scheinen im Meer zu schwimmen. Plötzlich bricht zwischen zwei grazilen fernöstlichen Tänzerinnen und drei Tänzern ein wildes Allegro von Kampf, Konkurrenz, Anziehung und Abstoßung aus.

Hart setzen sich die Gegensätze in der Choreografie gegeneinander. Die entspannten Körper rollen wie im Traum, sich selbst nur halb bewusst, durch imaginäres Wasser. In weiten, verzierten Gewändern findet sich die Compagnie hochkonzentriert zu faszinierenden, rituellen Tänzen, einen Blick in ein unbekanntes, vielleicht verbotenes Reich fremder Schönheit und Intensität gewährend. Und wieder bricht in heftigen Bewegungen die Schlacht um Vormacht und Unterwerfung aus.

Der Name der Compagnie – Bi Ma – ist aus dem Chinesischen abgeleitet und weist auf die Grazie und Stärke wilder Pferde hin. Drei feingliedrige Asiaten, ein in gelöster Aggressivität tanzender Schwarzer und ein Europäer, der sich durch ehrgeizige Sportlichkeit auszeichnet, bilden das Ensemble, in dem sich die Unterschiede der Nationalitäten und Charaktere auf erstaunliche Weise entfalten und ergänzen.

Aus Malaysia kommt die junge, renommierte Tänzerin und Choreografin Pit Fong Loh, die seit 1984 dreizehn erfolgreiche Choreografien schuf. Mit ihrem Landsmann und Kollegen Ming Yam Low gründete sie 1991 in Großbritannien die jetzt schon preisgekrönte Bi Ma Dance Company. Östliche Bewegungstraditionen, die ihre Wurzeln im chinesischen Buddhismus haben, Erfahrungen im klassischen, europäischen Training und zeitgenössische westeuropäische Schulen bilden die Grundlage für das facettenreiche Schaffen der Truppe.


»Mit orientalischem Stilgefühl sind wir eingeladen, einen Fußbreit hinter eine noble Oberfläche zu tauchen und unsere Visionen auf eine Welt einzustimmen, wo in unserem Bewusstsein ein tastendes Leben auf sich selbst als etwas nicht völlig Menschliches anspielt« (Hampstead & Highgate Express, London, 19.03.1993).


Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung
durch das British Council, London/Leipzig.