02. Festival 1992

Hauptprogramm


Freitag 20. Nov. // 17.00 Uhr
Neue Szene

(Beitrag des Schauspiel Leipzig in eigener Auswahl)

Tanztheater des Schauspiel Leipzig


»Julie«

Tanzstück nach Motiven des Trauerspiels »Fräulein Julie« von August Strindberg



Inszenierung, Choreografie und Ausstattung:

Irina Pauls

Musik:

Johann Sebastian Bach –
Wohltemperiertes Klavier, I. und II. Teil

Bearbeitung: Marcus Ludwig

Tänzer:

Riccarda Herre (Julie), Angelika Wenzel (Christine), Achim Striberny (Jean), Werner Stiefel (Verlobter) und Anne Bergel, Christina Brückner, Steffi Pfefferkorn, Hephziba Tintner, Ives Bastos de Araujo

Klavier:

Marcus Ludwig



Im Rausch einer Mitsommernacht verführt die Grafentochter Julie den Diener Jean. Als der Rausch der Ernüchterung weicht, schlägt Julies Leidenschaft in Hass um. Die geplante Flucht mit Jean scheitert, der Ausgang ist tragisch.

Das Spannungsfeld von Kühle und Sinnlichkeit, von Begehren und verdrängten Emotionen ist es, das Irina Pauls in den Vordergrund ihrer Adaption stellt. Die Konzipierung der Figuren stützt sich stark auf die Individualität der Tänzer. Mehrere berühmte Choreografen haben das Trauerspiel von August Strindberg (Uraufführung 1889 in Kopenhagen) als Vorlage für Ballettwerke gewählt, genannt seien nur Birgit Cullberg und Kenneth MacMillan. Irina Pauls erarbeitete eine ganz eigene Fassung, in der das Schicksal von Julie und Jean eine Verallgemeinerung erfahren hat, denn die Schwierigkeit einer Beziehung über die Klassenschranken hinweg besitzt heute wieder eine neue Bedeutung. Die Premiere des Tanzstücks findet Mitte November statt.

Nur zwei Schauspielensembles Deutschlands können sich rühmen, über ein eigenes Tanztheater zu verfügen. Neben dem von Reinhild Hoffmann in Bochum ist dies das Tanztheater des Schauspiel Leipzig, das im Jahre 1990 gegründet wurde. Seine Leiterin und Choreografin Irina Pauls absolvierte an der Leipziger Theaterhochschule ein Choreografiestudium. Danach sorgte sie am Altenburger Theater mit einigen Uraufführungen für überregionales Aufsehen.

Gleich die erste Premiere der Leipziger Compagnie, »Happy Schwanensee Day« nach einem Libretto von Woody Allen mit der Musik Tschaikowskis, war ein sehr großer Erfolg. Die euro-scene Leipzig zeigte dieses Stück im vergangenen Jahr. Seitdem folgten drei weitere Abende: »McMozart's« als Beitrag zum Mozart-Jahr 1991, »Bodenlose Aussichten«, bestehend aus vier verschiedenen Episoden, und als vorerst letzte Inszenierung »Mein Ort hat kein Bleiben, mein Bleiben keinen Ort«, in dem es um das Thema Reisen geht. Alle genannten Inszenierungen befinden sich im Spielplan der Neuen Szene.