02. Festival 1992

Hauptprogramm


Samstag 21. Nov. und Sonntag 22. Nov. // 17.00 Uhr
Neue Szene

Comedia Opera Instabile, München


»Quollen«

Ein Nachttanz der Wörter und Körper
nach dem Roman »Nachtgewächs« von Djuna Barnes

Deutsche Übersetzung von Wolfgang Hildesheimer



Idee und Regie:

Ute Stammberger

Choreografie:

Dieter Baumann

Bühnenbild und Kostüme:

Reiner Wiesemes

Darsteller:

Matthias Hirth (Schauspieler), Miriam van Steenhoven (Tanz)



Der Singsang einer eigenartigen Männerstimme unterbricht das Klappern der Trippelschritte einer jungen Tänzerin, der Nora aus Djuna Barnes' Roman »Nightwood« (»Nachtgewächs«, erschienen 1937). Verzweifelte Liebe zu einer Frau treibt die Schöne um. Der Mann, Dr. O'Connor, zerschraubt sich lustvoll auf schwankenden Brettern, die sich über einem Metallkasten biegen, und enthüllt und versteckt sein Begehren ein Weib zu sein. Zwei Gefangene begegnen sich hier, in ihre Leidenschaften, in die Eiseshitze der Nacht, in die Unmöglichkeit ihrer Existenz gesperrt.

Die Sprachgirlanden der Barnes verweben sich zu einem faszinierenden Netz aus Sinnlichkeit, Verzweiflung und hintergründigem Intellekt. »Wächter was spricht die Nacht«, das zentrale Kapitel des amerikanischen Kultromans, liefert den Text und die Vergangenheitsform von »quellen« – den rätselhaften Titel »Quollen« für die Inszenierung.

Die Leiterin und Regisseurin der Comedia Opera Instabile, Ute Stammberger, hat in dem Bühnen- und Kostümbildner Rainer Wiesemes, der gelegentlich auch selbst Regie führt, in Dieter Baumann, bekannt als Choreograf und Protagonist der Berliner Tanzcompagnie Rubato, und in den beiden Darstellern kongeniale Partner gefunden. Matthias Hirth spannt Sprache und Körperbewegung ungewöhnlich weit auseinander und behauptet ihre Gleichwertigkeit. Eine geglückte Grenzüberschreitung der Genres erringt dem Theater eine neue Dimension.


»Hervorzuheben vor allem Matthias Hirth: ein grandioser Nachtschwärmer, eine konvulsivisch verschränkte Figur, die im nächsten Moment zur Skulptur erstarrt, ohne dass die Wort-Tiraden versiegen« (Münchner Merkur, 10.01.1991).


Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.