12. Festival 2002

Rahmenprogramm


Samstag 16. Nov. // 15.00 – ca. 17.00 Uhr
Eintritt frei
Schaubühne Lindenfels

Film und Gespräch


»Because I sing – The film«
(»Weil ich singe – Der Film«)

Film von Alain Platel, Gent



Mitarbeit und Kamera: Sophie Fiennes
Musikalische Leitung: Orlando Gough
Dauer: 75 Minuten / Farbe / englisch

Einführung und Gespräch: Alain Platel
Moderation: Michael Freundt, Leipzig

Einführung und Gespräch werden übersetzt.



Ein Film von Alain Platel? Ein ungewöhnliches Unterfangen – ist dieser belgische Regisseur und Choreograf, geboren 1956 in Gent, doch durch seine Bühnenstücke weltweit bekannt und unserem Festival besonders eng verbunden. Dem ersten Gastspiel »La tristeza cómplice« (»Die Traurigkeit teilen«) 1996 in Leipzig folgten »Bernadetje«, »Iets op Bach« (»Kleinigkeiten zu Bach«) und »Allemaal Indiaan« (»Jedermann ist ein Indianer«). Und nicht zuletzt stammen von ihm Konzeption und Idee unseres Wettbewerbs »Das beste deutsche Tanzsolo«, der seit 1997 schon fünfmal während der euro-scene und zuletzt innerhalb der »Tanzplattform Deutschland« im Februar 2002 in Leipzig mit wachsender Beliebtheit stattfand.

Alain Platel äußert sich selbst zu seiner Arbeit: »Technik, Bewegung – das ist alles nicht so wichtig, aber wenn es einer mitbringt, kann man natürlich ganz anders miteinander arbeiten. Mich interessiert die Spannung, die sich zwischen Menschen auf der Bühne entwickelt, die technisch sehr oder weniger begabt sind. Das strahlt eine ganz andere Kraft aus. Auch verschiedene Alter, verschiedene Generationen auf der Bühne, das ist etwas, was mich ungeheuer fasziniert. Wahr ist, dass ich immer auf die Suche gehe nach Menschen, die sich – auf den ersten Blick – voneinander unterscheiden« (aus: »Neugier und Leidenschaft«, Festivalschrift zur 10. euro-scene Leipzig 2000, S. 34).

Nun also ein Film, ein Dokumentarfilm. »Because I sing – The Film« (»Weil ich singe – Der Film«) fußt auf einem ungewöhnlichen Konzert von 16 unterschiedlichen Chören in Londons Roundhouse, das Ende März 2001 zweimal zu erleben war. Platels Regie ist ein behutsames Zusammenführen der unterschiedlichen Chorgruppen mit insgesamt über 500 Stimmen unter der musikalischen Leitung von Orlando Gough. Beide Künstler forschten nach Charakterstimmen in Londons Stadtteilen und vereinten Amateurchöre städtischer, kirchlicher und weltlicher Art mit Sängern aus Armenien und dem Kongo, mit Hausfrauen, Juden, Gospelsängern, Kindern und Jugendlichen, um nur einige der Mitwirkenden zu nennen.

Entstanden ist ein musikalisches, persönliches Portrait von London und eine Hymne an die Toleranz, Demokratie und Klassenlosigkeit des Gesangs. Und hier schließlich, sei es in den Probenausschnitten, Gesprächen (auch Alain Platel kommt zu Wort) oder im Konzert selbst, ist wieder diese Menschlichkeit zu spüren, welche die Bühnenstücke Platels so einzigartig prägt. Die Sympathie für die Größe der kleinen Leute – darin liegt vielleicht das Geheimnis des Theaters von Alain Platel und auch seines Films.

Im Anschluss wird Michael Freundt mit Alain Platel über Entstehung und Anliegen des Films sprechen. Auch dessen künstlerische Leitung von Les Ballets C. de la B. und sein neues Bühnenprojekt »Zur Wohltätigkeit« nach Musik von Mozart, das innerhalb der RuhrTriennale im Mai 2003 zur Uraufführung kommt, wird Gesprächsthema sein.