10. Festival 2000

Hauptprogramm


Sonntag 05. Nov., Montag 06. Nov. und Dienstag 08. Nov. // 19.30 – ca. 21.15 Uhr
Zentralantiquariat Leipzig

Eigenproduktion der euro-scene Leipzig


»Speicherung«

Szenische Visionen nach Texten von Ernst Bloch

Uraufführung

Wolfgang Krause Zwieback


Konzeption und Projektleitung:

Michael Freundt

Technische Gesamtleitung:

Bernd Erich Gengelbach



Teil I


Inszenierung:

René Reinhardt

Darsteller:

David Woods, Jon Hough, Heinz Hellmich



Teil II


Inszenierung:

Stefan Kanis

Darsteller:

Sandra Bringer, Carsten Hentrich, Conny Wolter



Teil III


Inszenierung:

Wolfgang Krause Zwieback

Darsteller:

Thorsten Berg, Peter Müller, Wolfgang Krause Zwieback


Am 07. Nov. findet ein Gespräch über diesen Abend mit den drei Regisseuren statt.
Moderation: Michael Freundt, Leipzig



Als wir klein waren, war das Jahr 2000 das Symbol der Zukunft. Heute, bei diesem Datum angelangt, findet »nur« die Gegenwart statt. Manche Utopie, die sich im neuen Jahrtausend verwirklichen sollte, ist längst zerronnen. Manche existiert nur noch auf dem Papier. Alle Utopien und Träume werden zu Büchern. Die Speicherung von Wissen wird abgelegt in der Hoffnung, dass man es eines Tages wieder benötigt – als Inspirationsquelle einer neuen Generation. Phantasien steigen auf und erwachen auf der Bühne zu neuem Leben.

Im Jahr 2000 hat sich die euro-scene Leipzig drei Leipziger Theaterkünstler eingeladen, ihre Vision vom Flug der Gedanken und die Suche nach der verborgenen utopischen Hoffnung an einem ungewöhnlichen Ort zu inszenieren. Der Sitz des Zentralantiquariats Leipzig mit seinen Regallagern, Bücherbergen und verschlungenen Gängen wird zum Schauplatz und Bühnenbild für eine sinnliche, bilderreiche Collage.

René Reinhardt, Stefan Kanis und Wolfgang Krause Zwieback sind nicht nur unterschiedlichen Leipziger Spielstätten und Theatergruppen verbunden, sie werden ihrer sehr eigenwilligen Ästhetik und der durchaus eigenwilligen Sicht auf das Thema Raum geben. Dennoch verbinden sich in dieser ersten gemeinsamen Arbeit die einzelnen Akte zu einem Ganzen. Der Zuschauer nimmt, wie die Bücher, seinen Weg durch Lagerhallen und Büchersäle, wird einsortiert in die Bestände. Er begegnet den Verwaltern, Archivaren und den rastlos Suchenden, den Visionären und Gedankensprühenden.

Der Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) schrieb sein Hauptwerk »Das Prinzip Hoffnung« als Emigrant in den Vereinigten Staaten 1938-47. Nach dem Krieg lehrte er an der Leipziger Universität, wurde jedoch 1957 entlassen, verlor seinen Lehrstuhl und kehrte von Vorlesungen in der Bundesrepublik nicht mehr in die DDR zurück. Für »Speicherung« wurden vor allem Passagen aus »Das Prinzip Hoffnung« und aus der schon 1918 entstandenen ersten Fassung von »Geist der Utopie« verwendet.


Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch den Fonds Darstellende Künste e.V., Essen.