07. Festival 1997

Hauptprogramm


Sonntag 16. Nov. // 18.00 – ca. 21.15 Uhr
Oper Leipzig

(Beitrag der Oper Leipzig in eigener Auswahl)

Oper Leipzig


»Die Nase«

Oper in drei Akten und einem Epilogl



Text:

Georgi Jonin, Alexander Preiss, Jewgeni Samjatin, Dmitri Schostakowitsch nach der gleichnamigen Novelle von Nikolaj Wassiljewitsch Gogol

Musik:

Dmitri Schostakowitsch

Musikalische Leitung:

Michail Jurowski

Inszenierung:

Alfred Kirchner

Bühnenbild:

Annette Murschetz

Kostüme:

Margit Koppendorfer

Choreografie:

Elisabeth Clarke

Darsteller:

Thomas Möwes (Platon Kusmitsch Kowaljow), Jan Danckaert (Iwan Jakowlewitsch), Udo Holdorf (ein Wachtmeister der Polizei), Martin Petzold (Iwan, Diener des Kowaljow), Hendrikje Wangemann (Brezelverkäuferin/Tochter von Die Nase in Gestalt eines Staatsrates und Alexandra Grigorjewna), Annelott Damm (eine vornehme Patrone), Heidrun Halx (Praskowja Ossipowna, Frau des Iwan Jakowlewitsch), Soon Won Kang (ein Arzt)

Chor der Oper Leipzig
Gewandhausorchester Leipzig

In russischer Sprache mit deutscher Übertitelung



Aus dem Gesicht des Majors Kowaljow verschwindet plötzlich die Nase und erscheint in Gestalt eines Staatsrates wieder. Seine eigene »Nase« hat weit mehr Macht als er selbst und scheint ihn nicht mehr zu kennen. In Sankt Petersburg wächst Neugier und Furcht unter den Menschen: Kowaljows Nase, sagt man, sei in der Stadt gesehen worden. Etwas Unheimliches, Satanisches breitet sich aus wie ein Fieber, das nur noch mit Terror durch eine dilettantische Polizei bekämpft werden kann.

Was bereits in der Gogolschen Novelle als groteskes Zerrbild einer gesichtslosen, verängstigten Gesellschaft erscheint, wird in den ungebändigten Klängen von Dmitri Schostakowitsch (1906-75) noch schärfer und intensiver. Wuchtig hämmernde Rhythmen, grelle Überzeichnungen, verführerische Klänge orthodoxer Kirchenmusik schaffen ein absurd-phantastisches Bühnenwerk, das 1930 in Leningrad uraufgeführt wurde und eine Rarität auf der Opernbühne darstellt. Schostakowitsch gehörte damals zum Kreis der jungen sowjetischen Avantgarde und schuf wenige Jahre später seine bekanntere Oper »Lady Macbeth von Mzensk« (1963 Neufassung als »Katerina Ismailowa«).

Alfred Kirchner inszenierte an den berühmtesten Opernhäusern Europas, z. B. in Wien, Amsterdam und Berlin, und brachte neben zahlreichen Klassikern des Schauspiels auch Uraufführungen heraus, so von Martin Walser, Herbert Achternbusch, Thomas Bernhard, Heiner Müller und Peter Turrini. Er wurde zu großen Festivals und Auslandsgastspielen eingeladen und inszenierte 1994 Richard Wagners »Ring des Nibelungen« zu den Bayreuther Festspielen.


Uraufführung: 15.11.1997, Leipzig

Produktion: Oper Leipzig