06. Festival 1996

Hauptprogramm


Dienstag 19. Nov. // 19.30 – 21.00 Uhr
Schauspielhaus

Festivaleröffnung

Les Ballets C. de la B., Gent


»La tristeza cómplice«

(»Die Traurigkeit teilen«)

Musikalisches Bewegungstheater



Inszenierung und Choreografie:

Alain Platel

Musik:

Dick Van der Harst nach Henry Purcell

Musikalische Leitung:

Philippe Thuriot

Bühnenbild und Kostüme:

William Phlips

Lichtdesign:

Marc Vandermeulen

Tänzer:

Koen Augustijnen, Philippe Beloul, Frank Chartier, Gabriela Carrizo, Lisa Gunstone, Juliette Bougard, Samuel Louwyck, Abdelaziz Sarrokh, Minne Vosteen, Angélique Wilkie

Kinder:

Necati Köylü, lan Mattan

Sängerin:

Eurudike De Beul

Musiker:

Edwig Abrath, Freddy Caelen, Gwen Cressen, Patricia George, Wim Kestens, Emanuel Comté, Ivan Smeulders, Mike Smeulders, Jürgen Steenkiste, Philippe Thuriot

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
Moderation: Dr. Johannes Odenthal, Chefredakteur und Herausgeber »ballett international/tanz aktuell«, Berlin



Ein Tänzer kommt auf die Bühne, legt seine Sachen ab und beginnt zu trainieren, nach und nach folgen die anderen. Wird hier geprobt oder findet eine Aufführung statt? Sind es Künstler mit Macken oder Behinderte? Seltsam improvisiert scheint das Spiel, das plötzlich in eine Woge von Tanz übergeht. Unterschiedliche Nationalitäten versuchen, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Ein Feuerwerk bricht los, man schlägt und verhöhnt sich, dann wird weiter geprobt, getanzt, gesungen, geliebt, gelacht – gelebt.

Nur schwach können Worte die Faszination wiedergeben, die Alain Platel mit seinem Stück hervorruft. Der junge Flame versteht es, gegenwärtige Themen szenisch so locker zu inszenieren, dass man hautnah das Leben spürt, aus dem heraus sie entstanden sind und das sie selbst wieder versprühen.

Die in »La tristeza cómplice« live ausgeführte Musik verschmilzt in vollkommener Weise mit dem Szenischen. Äußerst originell bearbeitete Dick Van der Harst Kompositionen des englischen Komponisten Henry Purcell (1659-95) für 10 Akkordeonisten und eine Sängerin.

Les Ballets C. de la B. (Les Ballets Contemporains de la Belgique = Zeitgenössisches Ballett Belgiens) wurden von Alain Platel 1986 in Gent gegründet, wobei die Bezeichnung der Compagnie durchaus ironisch zu verstehen ist, da diese mit Ballett im herkömmlichen Sinn nicht das Geringste zu tun hat. Platel kreiert auch Sprechtheater-Stücke und wird mit allen seinen Inszenierungen in zahlreiche Länder Europas eingeladen.

Deutlich spürt man Alain Platels Engagement für die Randgruppen, die sozial Benachteiligten der Gesellschaft. Das wichtigste Element seiner Produktionen ist die Menschlichkeit. Sie lässt trotz Melancholie und Pessimismus noch immer die Hoffnung auf das friedliche Miteinander und das Verständnis für den anderen zu.


Produktion: Het muziek Lod, Gent / Les Ballets C. de la B., in Koproduktion mit deSingel, Antwerpen / Théâtre de la Ville, Paris / Centre d' Arts Vooruit, Gent / K.I.T. Kanonhallen, Kopenhagen (Premiere 1995)

Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch Ministerie van de Vlaamse Gemeenschap / Administratie voor de Kunst, Brüssel.