04. Festival 1994

Hauptprogramm


Mittwoch 23. Nov. // 17.00 – 18.15 Uhr und 22.00 – 23.15 Uhr
Donnerstag 24. Nov. // 19.00 – 20.15 Uhr und 22.00 – 23.15 Uhr
Freitag 25. Nov. // 19.00 – 20.15 Uhr und 22.00 – 23.15 Uhr
Samstag 26. Nov. // 17.00 – 18.15 Uhr und 22.00 – 23.15 Uhr
Sonntag 27. Nov. // 17.00 – 18.15 Uhr und 22.00 – 23.15 Uhr
Ernst-Beyer-Haus (Poetisches Theater)

Theatre TUBB II, Wrocław


»Cela«
(»Die Zelle«)

Bewegungstheater

Deutschlandpremiere



Konzeption und Inszenierung:

Krysztof Zuber

Bewegung:

Zbigniew Mlądzki, Krzysztof Zuber

Bühnenbild:

Jacek Ćwikła

Musik:

Jan Garbarek, Godflash, Lights in a Fat City, Dis Harmonic Orchestra, This Mortail Coil, Laibach, Sound of Birds (Collage: Paweł Kowalczyk)

Technische Leitung:

Jacek Bereżański

Darsteller:

Katarzyna Krośniak, Joanna Krupska, Andrzej Czech, Paweł Kowalczyk, Sebastian Kopiej, Jarosław Uspieński, Tomasz Waszkiewicz

Die Musik wird eingespielt.



Gespenstisch wirkt das Dunkel im Raum, und die tiefe Stille macht in ihrer Unheimlichkeit geradezu Angst. Plötzlich bricht ein starker Lärm herein. Ist diese Zelle ein Gefängnis oder Ausdruck des Gefangenseins des eigenen Ich? Die verzweifelten jungen Männer sind beinahe noch Kinder. Wurden sie als Soldaten gewaltsam eingesperrt oder haben sie sich selbst durch mysteriöse Vorgänge ihrer persönlichen Freiheit beraubt? Und wieso macht das langhaarige schöne Mädchen, in einem Käfig gesperrt, den Eindruck einer eben eingefangenen, wilden Tigerin?

Gewalt und Unterdrückung brechen auf. Gelassener könnte man die Ereignisse verfolgen, würden sie in den vergangenen Kriegstagen spielen. Doch bald schon kriechen Parallelen zur Gegenwart hervor. Das Theater bietet auch Momente der Hoffnung, nur: Die äußere Freiheit gibt noch keine Garantie für die innere Unabhängigkeit des einzelnen.

»Die Zelle« darf als geradezu sensationelle Entdeckung bezeichnet werden. Der Grundeinfall überwältigt: Jeder Zuschauer wird unmittelbar in die Inszenierung einbezogen und ist somit Teil des Geschehens. (Wie dies geschieht, wird natürlich nicht verraten! Doch keine Bange, es muss weder gesprochen noch gespielt werden.) Nur 24 Zuschauer können pro Vorstellung anwesend sein – und wirklich kein einziger darüber hinaus.

Das Theatre TUBB II besteht seit 1978 und unterscheidet sich durch seine unkonventionellen, experimentellen Produktionen wesentlich von vielen anderen Theatern in Polen. Neben den zahlreichen Bühnenvorstellungen veranstaltet es auch Straßentheater und organisiert jährlich das »Internationale Festival des jungen Theaters« in Wrocław. TUBB II trat vielfach im In- und Ausland auf und nahm 1993 auch an dem berühmten Sommerfestival in Avignon teil.


»Ein vollkommen wortloses Schauspiel, begleitet von aggressiver Musik und kräftigen Toneffekten … Die Aufführung ist eine Metapher des sowohl bewussten als auch instinktiven Kampfes für Freiheit« (Tadeusz Burzynski, Gazeta Robotnicza, Wrocław, 15.06.1993).


Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch das Polnische Institut, Leipzig.