04. Festival 1994

Hauptprogramm


Samstag 26. Nov. // 22.00 – 23.00 Uhr
Sonntag 27. Nov. // 17.00 – 18.00 Uhr und 22.00 – 23.00 Uhr
Kellertheater

Theatre Point, Jászberény – Budapest


»Császármetszés«

(»Kaiserschnitt«)

Musikalisches Körpertheater von Tibor Várszegi

Deutschlandpremiere



Inszenierung:

Tibor Várszegi

Musik:

Félix Lajkó, Tibor Takács

Technische Leitung:

Leitung: László Kántor

Darsteller:

Szabolcs Gemza, László Keszég, Sándor Krupa, Tibor Várszegi

Musiker:

Félix Lajkó (Violine und Klavier), Tibor Takács (Blasinstrumente), László Keszeg (Kontrabass)



Die Plastehülle birgt in sich einen menschlichen Körper. Ein merkwürdiges Licht entzündet sich unter der künstlichen Haut, durch die plötzlich ein Messer dringt. Unheimliche Geräusche begleiten den Befreiungsakt aus der Umklammerung. Männer formieren sich zu skurrilen Bildern und lösen sich wieder voneinander. Darstellung geht in Musik über, und Klänge erzeugen wiederum seltsame szenische Momente.

»Einige bezwungene Engel werden es immer wieder versuchen, Engel zu werden«, wählte Tibor Várszegi als ein Motto für seine Produktion »Császármetszés« (»Kaiserschnitt«). Das Theatre Point (Pont Színház = Punkttheater) wagt den Versuch einer Rückkehr zum Ursprung als Ausgangspunkt für neue stilistische Formen. In der Kopplung von kunstvoll inszenierten Szenen und Improvisation entsteht ein neuartiges Körpertheater voll hintergründigen Humors. »Die Kultur des Wortes, die übrigens nach Meinung von Péter Balassa am Ende ist, trägt seit zweitausend Jahren ihren Kampf mit der Kultur des Bildhaften aus ... Es scheint, eine ganze Epoche gerät ins Schwanken, das einst von Aristoteles begründete Zeitalter, in dem die Logik alles zu beherrschen suchte. Es sind Kräfte geboren worden und wirken nun, die die Kultur des Wortes verwandeln, sie neu formen« (Tibor Várszegi).

Tibor Várszegi, Dozent für Literatur an der Pädagogischen Hochschule in Jászberény, gründete das Theatre Point im Jahre 1990 zunächst als Studententheater. Heute gehört es zu den originellsten der rund 40 unabhängigen Theatertruppen Ungarns, die neben den insgesamt 46 Stadt- und Staatstheatern des Landes einen wichtigen Teil der Theaterszene ausmachen. In meist kleinen Spielstätten können sie, und das bei einer winzigen Unterstützung mit 1 % des jährlichen Theaterfonds, immerhin 17 % des Publikums für sich verbuchen.


»Das Zusammenwirken der Stimmen und Bilder wühlte mein Innerstes auf, manchmal riss es mich mit sich fort, manchmal ließ es mich erstarren« (Attila Rajnai, Jászkun Krónika, Jászberény, 07.03.1993).