04. Festival 1994

Hauptprogramm


Mittwoch 23. Nov. // 22.00 – 23.00 Uhr
Donnerstag 24. Nov. // 17.00 – 18.00 Uhr und 22.00 – 23.00 Uhr
Neue Szene

Compagnie K. Danse, Paris


»Io«

Körper- und Bildertheater von Jean-Marc Matos

Deutschlandpremiere



Künstlerische Leitung, Choreografie und Tanz:

Jean-Marc Matos

Bild-Darstellerin:

Véronique Granier

Technische Leitung und Licht:

José Cloquell

Musik:

Robert Benzrihem

Kostüme:

Cidalia da Costa

Bühnenbild:

Marianne Frossard

Die Musik wird eingespielt.



Ein Mensch wird durch infernalische Rhythmen der Technik bedrängt. In einer imaginären Stadt jagen atemberaubend Video-, Film- und Diabilder vorbei, die von Berieselung durch die Medien, den elektrischen Geräten im Haushalt, von Hektik und Lärm auf der Straße zeugen. Ein Entkommen scheint unmöglich, und doch ist dies auch nur eine Seite der Medaille, denn der Traum von einem menschlichen Dasein lässt sich ohne Technik nicht träumen

Und mitten darin ein Mensch – zerbrechlich, aber voller Kraft und Energie. Er hat etwas mit dem kleinen Mond »Io« gemeinsam, der den großen Planeten Jupiter umkreist. Durch seine heißen, vulkanischen Eruptionen bleibt er ständig aktiv. Will der Mensch nicht selbst zur formbaren Maschine werden, gilt es, einen Dialog zwischen der Kunst des Lebens und der Technologie zu finden. lm Getriebe des städtischen Alltags wechselt sich der verbissene Kampf um Höchstleistungen ab mit Atempausen. Darin lassen sich auch spielerische Elemente der Technik und aus ihr entstehende lebendige Bilder voller Licht und Musik entdecken. Wenn schließlich das technische Delirium künstlerisch ins Lyrische abstrahiert wird, bleibt dennoch die Frage: Welche Zukunft hat der Mensch im Universum unabwendbarer Technologien?

Jean-Marc Matos schloss Studien in Informatik und industrieller Elektronik ab und unterrichtete Elektronik und Mathematik in Caracas und an der New Yorker Universität. Parallel dazu ließ er sich in Tanz und Choreografie im Cunningham-Studio New York ausbilden und eignete sich auch andere moderne Tanzrichtungen an. Außerdem entwickelte er ein grafisches System zur Aufzeichnung von Choreografien per Computer.

Die Companie K. Danse geht auf eine von Matos in New York 1979 gegründete Truppe zurück, die er nach seiner Rückkehr nach Frankreich 1983 umbenannte. Mit ihr realisierte er bisher 23 Choreografien und gastierte auf vielen bedeutenden Festivals Europas, in New York und Montréal. Das Thema des Menschen in der Großstadt gekoppelt mit neuen szenischen Technologien findet sich bei Matos schon mehrfach in früheren Produktionen. Das Stück »Io« wurde nach der Pariser Uraufführung 1992 neben zahlreichen Vorstellungen in Frankreich, Belgien und Pakistan mehrfach mit spektakulärem Erfolg im berühmten Pariser Palais de Tokyo aufgeführt.


»Jean-Marc Matos ist einzigartig in der Tanzlandschaft Frankreichs. Dieser Choreograf, Elektronik-Ingenieur von der Ausbildung her, liefert als Ergebnis seiner Forschungen den leidenschaftlichen Bericht, dass der Tanz mit den neuen Technologien Gespräch führen kann« (Dominique Frétard, Le Monde, Paris, 13.11.1991).


Das Gastspiel erfolgt mit freundlicher Unterstützung durch Association Française d’Action Artistique (AFAA) – Ministère des Affaires Etrangères, Paris.