02. Festival 1992

Hauptprogramm


Mittwoch 18. Nov. und Sonntag 21. Nov. // 22.00 Uhr
Neue Szene

Werner Stiefel / Erwin Stache, Leipzig


»Pas de Triangel«

Variationen aus Ballett-Musik-Maschinen und einem Stiefel



Libretto:

Werner Stiefel, Erwin Stache, Henry Schneider

Choreografie:

Werner Stiefel

Musik:

Henry Schneider, Erwin Stache
(unter Verwendung eines Motivs von Antonio Vivaldi und Arcangelo Corelli)

KIangmaschinen:

Erwin Stache

Kostüme:

Werner Stiefel, Kathrin Vogel

Tänzer:

Kristina Bernewitz, Gerhard Bodner, Frank Schilcher (Gäste des Balletts der Oper Leipzig)

Musiker:

Henry Schneider (Viola und electronics, Gewandhausorchester Leipzig), Erwin Stache (Klavier und electronics)



Wunderliche Maschinen treiben ein gespenstisches Eigenleben, geben dem Raum Struktur und Atmosphäre und erzeugen Töne. Flügel und Bratsche bilden die Grundausstattung fürs Musikalische, das durch kunstvolle Bandeinspielungen und andere Verfremdungen ergänzt wird. Leiser, melancholischer Großstadtblues, barockes Allegretto und vielschichtige Klangkombinationen verbinden sich zu einer rhythmisch reizvollen Geräuschlandschaft.

Die drei Elemente Musik, Tanz und Maschinen bilden in dieser inspirierten und humorvollen Tanzperformance ein vieldeutiges Ganzes.

Zwei Männer, ein romantischer Prinz in heller, eng anliegender Trikothose und flatterndem Hemd und ein Draufgängerty mit Mephistoflair schälen sich aus weißen Säulenstümpfen und umschleichen eine grazile, junge Frau. Parallele Harmonie in der Bewegung schlägt um in Zweikampf oder Dreikampf oder vereinzelt sich im Solo. Die Frau, immer wieder auf Spitze tanzend, setzt riskant und naseweis ihr Gleichgewicht aufs Spiel und sucht die Gefährdung. Es gibt die Zärtlichkeit der Hände und Wangen, erotisch aufgeladene Provokation in verfremdetem Showtanz, Aggression und Eifersucht, ausgelassene Freude an der Leichtigkeit des Körpers und immer wieder Momente voll assoziationskräftiger Vieldeutigkeit.

Drei weiße Stäbe – die Zeiger einer verrückten Uhr – kreisen. Die Frau stiehlt ihren Zeiger und sich aus der Vergänglichkeit.

Werner Stiefel, langjähriger Solotänzer der Oper Leipzig und seit 1990 Mitglied des Tanztheaters im Schauspiel Leipzig, schafft seit mehreren Jahren eigene klassische und moderne Choreografien und ist einer der ganz wenigen Choreografen der neuen Bundesländer, der abendfüllende freie Produktionen erarbeitet. Er versammelte für diesen Abend ausgezeichnete Tänzer und Musiker um sich, wobei Erwin Stache, ein Unikum in der Szene, mit seinen Klangmaschinen eine optisch wie akustisch gleichermaßen aufregende, zusätzlich Ebene des Kunstgenusses erzeugt.


»Dass diese höchst ungewöhnliche Mischung den ungeteilten und frenetischen Beifall des Publikums herausfordert, lag nicht zuletzt daran, dass man … Witz und Ernst spielerisch ineinander verschränkte. Prädikat: besonders wertvoll für aufgeweckte Menschen« (Sächsische Zeitung, Dresden, 29.11.1991).