02. Festival 1992

Hauptprogramm


Samstag 21. Nov. // 19.00 Uhr
Schauspielhaus

Compagnie Rosas, Brüssel


»Rosas danst Rosas«
(»Rosas tanzt Rosas«)

Ein Stück von Anne Teresa de Keersmaeker



Choreografie:

Anne Teresa de Keersmaeker

Musik:

Thiery de Mey, Peter Vermeersch

Bühnenbild:

Anne Teresa de Keersmaeker, Herman Sorgeloos

Kostüme:

Compagnie Rosas, Anne Weckx

Licht:

Remon Fromont, Herman Sorgeloos

Tänzer:

Muriel Hérault, Cynthia Loemy, Nathalie Million, Johanne Saunier



Dieses Stück leitete eine neue Epoche des modernen Tanztheaters ein. Seit seiner Brüsseler Premiere im Jahre 1983 wurde es durch rund 130 Aufführungen in aller Welt geradezu zur Legende. Heute ist es, nach seiner Wiederaufnahme im Frühjahr 1992 in neuer Besetzung, nur noch in Ausnahmefälle zu sehen.

Vier junge Frauen gestalten ihre eigene Weiblichkeit unter den Zwängen des Alltags. Es braucht viel Kraft, den Ausbruch aus der unendlich scheinenden Wiederholung zu wagen. Eine jede Frau versucht irgendwann, sich dem Druck männlicher Gewalt, die hier nur zu spüren und niemals zu sehen ist, zu widersetzen. Selten verstört ein Abend so stark und fasziniert gleichermaßen so nachhaltig wie »Rosas tanzt Rosas«.

An dem Stück ist so gut wie alles ungewöhnlich: die totale Stille des langen Anfangs, die aufreibende Musik der folgenden vier Abschnitte, die frappierende Kondition der vier Tänzerinnen und deren hinreißende Synchronität. Der »minimal dance«, beruhend auf wenigen Bewegungen und deren Variationen, ist gemeinsam mit der intensiven Gebärdensprache ein Markenzeichen für die Choreografin.

Anne Teresa de Keersmaeker besuchte verschiedene Tanzschulen, auch die von Maurice Béjart gegründete Mudra-Schule. Als sie 1981 zu choreografieren begann, war sie gerade 21 Jahre alt. Zwei Jahre später gründete sie mit drei anderen Frauen die Tanztruppe Rosas, die unterdessen auf acht Solisten, darunter nun auch drei Männer angewachsen ist. Sie ist heute eine gefeierte und auch umstrittene Kultfigur der europäischen und amerikanischen Tanz-Avantgarde.


»In Schulmädchenkleidern und kindlichen Halbschuhen können die Rosas kalt-heiße eineinhalb Stunden, gepeitscht und gegängelt vom strengen Rhythmus, einen abstrakten Raum erobern. Auf Punkt, Sekunde, Millimeter: frech, jung, hingegeben« (Allgemeine Zeitung, Mainz, 07.06.1985).


»Ihr Tanz ist wie das Leben selbst, immer das gleiche, immer anders. Es geht weiter und weiter. Plötzlich hört es auf … Und ihr Konzept der Reduktion und Ursprünglichkeit ist vielleicht auch eine Sehnsucht nach den Anfängen. Tanz auf der Suche, Tanz auf der Flucht« (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.1991).