02. Festival 1992

Hauptprogramm


Freitag 20. Nov. // 19.30 Uhr und 22.00 Uhr
Ernst-Beyer-Haus (Poetisches Theater)

Theater Labyrinth, Prag


»Křeč Mladosti«
(»Krämpfe der Jugendzeit«)

Dadaoper in zwei Teilen von Jiří Cerha

Szenische und gesungene Collage mit prä-dadaistischen, dadaistischen und post-dadaistischen Texten von Vlasta Gallerová und Karel Kříž

Deutschlandpremiere



Musik:

Jiří Cerha

Texte:

Hans Arp, Daniil Charms, Velemir Chlebnikov, Tytus Czyżewski, Paul Dermée, Hans Gruber, Richard Huelsenbeck, Ljubomir Micic, Christian Morgenstern, Paul von Ostaijen, Francis Picabia, Philippe Soupault, Kurt Schwitters, Josef Síma, Tristan Tzara, Ivan Wernisch

Inszenierung:

Karel Kříž

Bühnenbild:

Jaroslav Malina

Kostüme:

Marie Franková

Choreografische Mitwirkung:

Jan Klár, Petr Šimek

Sänger und Schauspieler:

Franzišek Kreuzmann, Thomás Petřík, Rudolf Stärz, Jaroslava Pokorná, Veronika Gajerová, Eva Salzmannová

Chor C. K. Vocal:

Jiří Cerha, Helena Arnetová, Jiří Malšovský, Hana Horká, Zuzana Hinzlová

Musiker:

Petr Pistora (Synthesizer), Petr Houdek (Violoncello), Martin Zbrožek (Violine)



Der Dadaismus entstand nach 1916 als Gegenströmung zur akademisch-bürgerlichen Kunst und beinhaltete eine neue Lebenshaltung. Er führte weg vom geordneten Sinn, von strenger Form und tiefgründigem Inhalt und brachte einen komischen Irrationalismus in die Kunst. Der kindersprachliche Stammellaut »dada« gab den begrifflichen Ausgangspunkt für den Dadaismus, der in den 50er und 60er Jahren erneut die Welt erfasste.

Bis in unsere Tage fasziniert der Dadaismus, wie dieses mitreißende Stück Musiktheater zeigt. In ihm treffen sich Unmittelbarkeit, Spontaneität, Kultiviertheit, Nonsens, Absurdität, Komik und Phantasie. Den Abend trägt die Musik, deren Melodik und farblicher Klang bei weitem nicht nur Begleitung oder Unterbrechung des Wortes ist.

Jiří Cerha wurde im Jahre 1943 in Prag geboren. Er studierte am Konservatorium Komposition und Arrangement und gründete den Chor C. K. Vocal. Eine große Anzahl seiner Chorwerke wurde auf Schallplatten aufgezeichnet. Cerha war Sänger am Theater Semafor und komponierte zahlreiche Bühnenmusiken und Filmmusik. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet er als Komponist und Musikdramaturg am Prager Realistischen Theater, das Anfang 1992 eine neue Konzeption erhielt und in Divadlo Labyrint (Theater Labyrinth) umbenannt wurde.


»Es handelt sich um einen unaufhaltsamen, höchst theatralischen und poetischen Strom von Worten, Musik, Gesang und Bewegung … Wer ein notorischer, hartnäckiger Realist ohne Sinn für die dadaistische Poetik ist, sollte diese Aufführung vielleicht meiden … Sie ist vielmehr für alle, die sich verzaubern lassen können von der Poesie, vom Sprachwitz, vom Humor und vom Spielerischen« (Lidová demokracie, Prag, 27.04.1992).