02. Festival 1992

Hauptprogramm


Donnerstag 19. Nov. // 17.00 Uhr und 22.00 Uhr
Ernst-Beyer-Haus (Poetisches Theater)

Compagnie Bertoni & Abbondanza, Drò


»Terramara«

Ein Liebes-Tanz-Spiel

Deutschlandpremiere



Choreografie:

Michele Abbondanza

Musik:

J. S. Bach, G. Yared, S. Borè, Volksmusik aus Ungarn, Rumänien, Indien, Sizilien

Bühnenbild:

Lucio Diana

Licht:

Carlo Meloni

Tänzer:

Antonella Bertoni, Michele Abbondanza



»Terramara«: Hügel aus fruchtbarer, schwarzer Erde, die aus den Überresten prähistorischer Ansiedelungen bestehen – so übersetzt die Truppe das aus dem Lateinischen abgeleitete Kunstwort.

Völlige Gewissheit füreinander bestimmt zu sein, ein selten zu findendes Maß an Vertrautheit, tiefer Ernst und intimer Humor, Erotik, die, erdverbunden und zart, es vermeidet, sexy zu sein, prägen die Tänze, die mimischen und gestischen Bilder, die Handlungen. Dieses Paar aus Italien straft alle Behauptungen über die Unausweichlichkeit menschlicher Entfremdung Lügen.

Holz, Korbgeflecht, Hanf, buntes Glas und Orangen, die schließlich wie Wasser den Boden bedecken, schaffen ländliche Atmosphäre, die Weite atmet.

Durch das Bekenntnis zu einer so ungebrochenen, ausschließlichen Liebe erfährt die Sprache des modernen Bühnentanzes eine individuelle Umschmelzung zu etwas Unerhörtem, das fasziniert und stark bewegt. Der häufig beschworene, in der Kunst selten erreichte Punkt, dass gespiegeltes, modernes Leben die Muster aus biblischer Vorzeit freilegt, wird in »Terramara« Ereignis.

Antonella Bertoni, Römerin, 1980 Italienische Meisterin in rhythmischer Gymnastik, hatte 1988 ihr Debüt als Tänzerin in Carolyn Carlsons Choreografie »Dark« in Paris, wo sie zum ersten Mal mit Abbondanza gemeinsam auf der Bühne stand. Michele Abbondanza studierte in New York u. a. an der Schule von Merce Cunningham. Er arbeitete mit Carolyn Carlson und Jorma Uotinen, dem heutigen Direktor des Finnischen Nationalballetts. Michele Abbondanza und Antonella Bertoni spielten und tanzten auch in Filmen, Abbondanza als Partner von Alessandra Ferri in »Spezialtanz« (Regie: Vittorio Nevano). Seit 1989 treten beide gemeinsam in Eigenproduktion auf.


»›Terramara‹ ist eine Stunde heftiger Emotionen, keine Sprache der Schreie, sondern eine des Flüsterns, intensiver Blicke, anhaltender Gebärdenkunst … Es ist ein ewiger menschlicher Wechsel, der die Anregung aus dem täglichen Leben entnimmt, abgesetzt durch gestische Urbilder und den Zauber, der die plumpesten Gegensätze vollkommen glättet für das ewige Duett des Lebens eines Paares« (Il Sole, Mailand, 03.05.1992).